Fehmarnbelt-Tunnel: Der Weg zu einer besseren Verkehrsanbindung und nachhaltigem Fortschritt?

July 19, 2023
Autor/in:
Anna Berger

Der Fehmarnbelt-Tunnel ist ein wegweisendes Infrastrukturprojekt, das die Insel Fehmarn mit der dänischen Küste verbindet. Er schließt eine Lücke im Autobahnnetz und verbessert die Verbindung zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden. Trotz Kontroversen werden positive Auswirkungen vorhergesagt. Mehr dazu lesen Sie in diesem Artikel.

Bildquelle:
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Was ist der Fehmarnbelt-Tunnel? 

Der Fehmarnbelt-Tunnel, eines der größten Infrastrukturprojekte der Welt, wird die deutsche Insel Fehmarn mit der dänischen Südküste verbinden und eine wichtige Lücke in einem transkontinentalen Autobahnnetz schließen. Die Trans-European Transport Network (TEN-T) ist ein geplantes Netz von Straßen, Eisenbahnen, Flughäfen und Wasserinfrastruktur zur Verbindung der Länder der Europäischen Union. Eine der wichtigsten Routen, der Scan-Med-Korridor, erstreckt sich über 5.000 Kilometer von Malta bis nach Finnland. Doch bei der Fahrt von Deutschland nach Schweden muss man derzeit einen großen Umweg über Dänemark nehmen, um den Fehmarnbelt (eine etwa 19 Kilometer breite Wasserstraße) zu überqueren. Das soll sich in Zukunft verändern.

Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur: Schließung einer wichtigen Lücke im Autobahnnetz

Ursprünglich wurde die Idee einer festen Verbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen bereits im 19. Jahrhundert diskutiert. In den 1960er Jahren wurde dann eine Brücke über den Fehmarnbelt gebaut, gefolgt von einer Fährverbindung. Das Projekt nahm jedoch erst richtig Fahrt auf, als Schweden beim Bau der Öresundbrücke half und im Gegenzug Dänemark den Bau einer festen Verbindung über den Fehmarnbelt vorschlug.

Diese feste Verbindung sollte zunächst durch eine Brücke gelöst werden, aufgrund der geografischen Bedingungen und der technischen Herausforderungen wurde diese Idee jedoch wieder verworfen. Schließlich entschied man sich für einen getauchten Röhrentunnel. 

Die Bauarbeiten für den Fehmarnbelt-Tunnel, an denen unter anderen die deutschen Firmen Max Bögl Stiftung & Co. KG und Wayss & Freytag Ingenieurbau AG beteiligt sind, sind bereits im Gange. Die Öffnung für den Verkehr wird 2029 erwartet.

Der Tunnel wird eine Autobahn mit vier Fahrspuren sowie zwei Eisenbahngleise für den Güter- und Hochgeschwindigkeitspersonenverkehr umfassen und voraussichtlich 6,6 Milliarden Euro kosten. Diese Kosten werden durch EU-Subventionen sowie staatliche Kredite finanziert. 

Kontroversen und Vorteile: Die Diskussion um den Fehmarnbelt-Tunnel

Die Wahl des Tunnelbaus, so heißt es, sei umweltschonender als Alternativen. Die Tunnelbohrung störe die Umgebung nicht und vermeide die Auswirkungen auf das empfindliche Ökosystem des Fehmarnbelts, das durch den Bau einer Brücke erheblich gestört worden wäre. 

Die Sedimentation und Trübung des Wassers während der Bauarbeiten werden sorgfältig überwacht, um negative Auswirkungen auf die Meeresumwelt zu minimieren.

„In Bezug auf die Umweltauswirkungen ist der Tunnelbau unter der Ostsee das wohl am besten beleuchtete Infrastrukturprojekt in globaler Hinsicht. Fast 200 international anerkannte Biologen, Geografen und Ingenieure arbeiten seit mehreren Jahren an umfassenden Umweltanalysen. Es wurden hier nicht weniger als 70 Millionen Euro investiert. Somit bin ich sehr zuversichtlich, dass das Tunnelprojekt auch unter Anbetracht von anspruchsvollen Umweltgesichtspunkten positiv zu bewerten ist", erklärt der HanseBelt Direktor.

Es gibt jedoch auch Bedenken hinsichtlich der Umweltauswirkungen des Projekts. Insbesondere die Freisetzung von CO2 bei der Herstellung der großen Mengen Beton für den Tunnelbau wird kritisiert. Die Baufirma Femern A/S bemüht sich jedoch, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, indem sie erneuerbare Energiequellen für den Bau und den Betrieb des Tunnels verwendet.

Das Projekt stößt auch auf Widerstand von Aktivisten, die gegen eine feste Verbindung über den Fehmarnbelt kämpfen. Sie machen sich Sorgen um die Auswirkungen auf die Umwelt und das lokale Leben. 

Die erwarteten wirtschaftlichen Vorteile sind dennoch enorm. Derzeit wird ein Gewinn von rund 3,6 Milliarden Euro erwartet. Diesen soll der Tunnel in den ersten 50 Jahren seines Bestehens vor allem durch verstärkten Handel zwischen Nord- und Südeuropa, vermehrte Unternehmensansiedlung und die Schaffung von Arbeitsplätzen generieren. 

Trotz der Kontroversen und Herausforderungen, die mit dem Bau des Fehmarnbelt-Tunnels verbunden sind, wird er voraussichtlich eine bedeutende Rolle im europäischen Verkehrssystem spielen und Millionen von Menschen beeinflussen. Eine neue Verbindung wird geschaffen, die die Reisezeiten verkürzt und den Verkehr zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden erleichtert.

Während die Kontroversen und Umweltbedenken im Zusammenhang mit dem Bau des Tunnels nicht ignoriert werden sollten, sind große Infrastrukturprojekte wie diese oft entscheidend für die Entwicklung und Verbesserung des Verkehrsnetzes. Sie haben langfristige Vorteile für die Region und die Menschen, die sie nutzen.

Wir werden sehen, wie erfolgreich der Bau des Tunnels umgesetzt wird oder ob er sich als ein weiteres Katastrophenprojekt in die Reihe der ausgeführten Infrastrukturprojekte Deutschlands einreiht.

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