Alexanderplatz 2026: Berlins neue Skyline – Alles über die Hochhaus-Bauprojekte 030BLN & The Berlinian

Wird der Alexanderplatz zu Berlins eigenem Manhattan?

Der Berliner Alexanderplatz gilt seit Jahren als einer der meistdiskutierten Plätze Deutschlands. Laut einer Umfrage geben fast 74 % der Befragten an, den Platz eher ungern aufzusuchen – zu grau, zu leer, zu wenig Aufenthaltsqualität. Doch genau das soll sich in den kommenden Jahrzehnten radikal ändern. Mit bis zu 13 geplanten Hochhäusern steht dem Alexanderplatz seine wohl größte bauliche Transformation seit der DDR-Ära bevor.

Der Masterplan: Berliner Manhattan seit 1993

Was viele nicht wissen: Den Masterplan für einen grundlegend neuen Alexanderplatz gibt es bereits seit 1993. Die Architekten Hans Kollhoff und Helga Timmermann entwarfen damals ein Konzept im Stil eines „Berliner Manhattans" – mit mehreren Hochhäusern, die die Skyline der Hauptstadt neu definieren sollen. Jahrzehntelang passierte wenig. Doch aktuell sind gleich zwei Türme gleichzeitig im Bau: der 030BLN (ehemals Covivio Tower) und The Berlinian (ehemals MYND Tower).

Neues Hochhaus für den Alexanderplatz: Was hinter dem 030BLN steckt

Der Alexanderplatz bekommt Zuwachs. Covivio baut dort ein 130 Meter hohes Hochhaus mit dem Namen 030BLN. Der Name ist ein Wortspiel aus der Berliner Telefonvorwahl und der internationalen Abkürzung der Stadt. Fertig sein soll das Gebäude in der zweiten Jahreshälfte 2027.

Das Projekt besteht aus zwei Teilen: einem Sockelbau und einem Turm mit 33 Geschossen. Zusammen kommen sie auf 60.000 Quadratmeter Mietfläche. Covivio setzt dabei nicht auf eine einzige Nutzung, sondern mischt bewusst. Büros, Wohnen, Läden und Restaurants sollen unter einem Dach funktionieren.

Der größte Teil entfällt auf die Arbeitswelt. 23 Etagen mit knapp 30.000 Quadratmetern sind für Büros und Co-Working reserviert, dazu über 20 Meetingräume. Die Grundrisse lassen sich flexibel anpassen. Im Sockel kommen rund 13.800 Quadratmeter Einzelhandel dazu, für die es bereits jetzt kaum noch freie Flächen gibt. Außerdem entstehen dort über 300 möblierte Wohneinheiten für sogenanntes Urban Living, inklusive Services, Fitnessbereichen und Gemeinschaftsflächen.

Auf 2.500 Quadratmetern Dachterrasse plant Covivio Bars, Sportangebote, Urban Gardening und eine buchbare Eventfläche. Bis 2029 soll außerdem eine begrünte Passage das Hochhaus mit dem benachbarten Park Inn verbinden und so einen neuen Weg vom Alexanderplatz zur Alexanderstraße schaffen. Den Betrieb des Gebäudes will Covivio selbst übernehmen.

Für den Entwurf hat das Unternehmen drei bekannte Büros geholt: Sauerbruch Hutton, Studio Aisslinger und AGL Architekten. Die Idee dahinter: außen eine auffällige Fassade, innen bewusst roh und unpoliert, so wie Berlin selbst. Ein Kollektiv aus Kunst, Mode, Entertainment und Hospitality arbeitet zusätzlich am Gesamtkonzept mit.

Technisch ist vor allem ein Detail interessant: Die Photovoltaik sitzt nicht nur auf dem Dach, sondern auch direkt in der Fassade. Damit gehört das 030BLN zu den ersten Hochhäusern in Deutschland, die das umsetzen. Geheizt und gekühlt wird mit Geothermie und Fernwärme, die Dachbegrünung bewässert sich aus eigenen Regenwasserspeichern. Angepeilt ist eine LEED-Gold-Zertifizierung. Autos spielen kaum eine Rolle: Statt eigener Parkplätze gibt es 500 bis 700 Fahrradstellplätze.

Baustopp wegen absackender U-Bahn

Der Bau verlief nicht ohne Komplikationen: Die U-Bahn-Linie U2 musste zeitweise gesperrt werden, nachdem der Tunnel unter den Bauarbeiten um vier Zentimeter abgesackt war. Covivio übernahm alle Sanierungskosten und verursachte damit einen neunmonatigen Bauverzug – ein Beispiel dafür, wie komplex das Bauen über einem der meistfrequentierten U-Bahn-Knotenpunkte Europas ist.

The Berlinian: Büroturm mit Skylounge und 146 Metern Höhe

Das zweite Hochhaus im Bau, The Berlinian (Architekturbüro Kleinhues + Kleinhues), überragt den 030BLN noch: Mit 146 Metern und 34 Stockwerken wird es das höhere der beiden Gebäude. Der Rohbau wurde im Dezember 2025 fertiggestellt, das Richtfest im Januar 2026 gefeiert. Die Fertigstellung ist für Mitte 2027 geplant.

Im Fokus stehen hier Büroflächen, eine öffentlich zugängliche Dachterrasse mit Blick auf den Fernsehturm sowie eine Skylounge mit Konferenzetage im 34. Stockwerk. Nachhaltig ist auch dieses Projekt: Verglichen mit konventionellen Bauweisen wurde der Betonanteil um rund 30 % reduziert. Eine 3.900 m² große Anlage zur regenerativen Stromerzeugung sowie die Nutzung von rund 600 m³ Regenwasser jährlich ergänzen das Konzept.

Wie viele Hochhäuser kommen noch?

Neben 030BLN und The Berlinian stehen zwei weitere Projekte in den Startlöchern: Der Hines Tower wartet noch auf Genehmigungen, der Monarch Tower (auch Alexander Tower) steht seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine still. Ob und wann alle 13 geplanten Türme tatsächlich gebaut werden, bleibt offen – aber die Richtung ist klar.

Der Alexanderplatz befindet sich im Wandel. Ob das „Berliner Manhattan" am Ende Realität wird und wie sich das Stadtgefühl dadurch verändert, werden die nächsten Jahrzehnte zeigen.

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