Deutschlands teuerster Autobahnabschnitt: A100 Berlin – Bau, Kosten & Kontroversen

A100 Berlin – Deutschlands teuerster Autobahnabschnitt erklärt

721 Millionen Euro für nur 3,2 Kilometer Autobahn.
Mit der Eröffnung des 16. Bauabschnitts der A100 in Berlin im August 2025 wurde ein neuer Rekord aufgestellt: Es ist der teuerste Autobahnabschnitt Deutschlands.

Doch statt Entlastung erleben viele Berlinerinnen und Berliner Stau, Umwege und Verkehrschaos. Wir erklären, warum der Bau so teuer war, weshalb er so lange gedauert hat und wie es mit der A100 weitergeht.

Wo liegt der neue A100-Abschnitt?

Der neue Abschnitt verläuft zwischen den Berliner Stadtteilen Treptow und Neukölln. Er ist Teil der Berliner Stadtautobahn A100, die ursprünglich als kompletter Ring um die Innenstadt geplant war.

Durch die deutsche Teilung blieb dieser Ring unvollendet. Seit den 1990er-Jahren wird der Ausbau schrittweise weiterverfolgt – mit zunehmenden politischen und gesellschaftlichen Konflikten.

Warum ist die A100 so teuer?

Ursprünglich wurde der Bau mit rund 450 Millionen Euro kalkuliert. Am Ende beliefen sich die Kosten auf 721 Millionen Euro – das entspricht etwa 225.000 Euro pro Meter Autobahn.

Die wichtigsten Gründe für die Kostenexplosion:

  • Bau mitten im dicht bebauten Stadtgebiet
  • Abriss von Wohnhäusern und Verdrängung von Kleingärten
  • Aufwendiger Tunnelbau (386 Meter Tunnel, weitere unterirdische Abschnitte)
  • Hohe Anforderungen an Lärmschutz, Sicherheit und Umwelttechnik
  • Nachträgliche Planänderungen und Lieferengpässe
  • Jahrzehntelange Verzögerungen durch Klagen und politische Entscheidungen

Verkehrschaos an der Elsenbrücke

Obwohl der Autobahnabschnitt fertiggestellt ist, endet er aktuell in einer weiteren Großbaustelle: dem Ersatzneubau der Elsenbrücke.

Da dort nur eine Spur pro Richtung zur Verfügung steht, kommt es regelmäßig zu Staus von bis zu 60 Minuten. Viele Autofahrer weichen auf Nebenstraßen aus – mit spürbaren Folgen für Wohngebiete in Treptow, Neukölln und Friedrichshain.

Kritik: Passt Autobahnausbau noch in die Zeit?

Der Ausbau der A100 ist eines der umstrittensten Infrastrukturprojekte Deutschlands. Kritiker argumentieren:

  • Neue Straßen erzeugen zusätzlichen Verkehr („Induced Demand“)
  • Die Investitionen widersprechen den Zielen der Verkehrswende
  • Das Geld könnte in ÖPNV, Radverkehr und Grünflächen fließen
  • Wohnquartiere werden durch Ausweichverkehr belastet

Befürworter hingegen sehen die A100 als notwendige Entlastung für das bestehende Straßennetz und als wichtige Verbindung für den Wirtschaftsverkehr.

Wie geht es mit der A100 weiter?

Der geplante 17. Bauabschnitt wurde zuletzt auf der Prioritätenliste des Bundes nach hinten verschoben. Die prognostizierten Kosten liegen inzwischen bei über 1 Milliarde Euro.

Ein Weiterbau ist frühestens gegen Ende des Jahrzehnts realistisch. Ob die A100 jemals vollendet wird, bleibt offen.

Ein Bauprojekt zwischen Vergangenheit und Zukunft

Die A100 steht sinnbildlich für den Konflikt zwischen:

  • alter Verkehrspolitik und neuer Mobilität
  • Beton und Klimaschutz
  • individueller Autofahrt und lebenswerter Stadt

Ob sie Lösung oder Problem ist, entscheidet sich nicht nur auf der Straße – sondern in Politik, Planung und öffentlicher Debatte.

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