October 4, 2026
So entsteht der längste Absenktunnel der Welt. Zwischen Puttgarden auf Fehmarn und Rødbyhavn auf Lolland entsteht gerade der längste Absenktunnel der Welt. Wer heute nach Dänemark will, braucht mit Warten, Fähre und Verladen rund zwei Stunden. In ein paar Jahren sollen Autos und Züge einfach unter der Ostsee durchfahren. Das Besondere: Der Fehmarnbelt-Tunnel wird nicht gebohrt. Er wird aus riesigen Betonelementen an Land gebaut, ins Meer abgesenkt und unter Wasser zusammengesetzt. In unserer neuen XPLORE-Folge zeigen wir, wie das funktioniert und wo es gerade hakt.

Herzstück ist eine temporäre Tunnelfabrik in Rødbyhavn, die so groß ist wie rund 420 Fußballfelder. In sechs klimatisierten Hallen wird rund um die Uhr betoniert. Die Klimatisierung ist nötig, weil der Beton für mindestens 120 Jahre halten soll und dafür gleichmäßig aushärten muss. Insgesamt entstehen hier 89 Tunnelelemente: 79 Standardelemente und zehn Spezialelemente. Die Spezialelemente haben ein Kellergeschoss für die Wartungstechnik. Ein Standardelement besteht aus neun Segmenten, ist 217 Meter lang und wiegt 73.000 Tonnen – so viel wie ein Flugzeugträger. Bis Ende 2025 waren zwölf Standard- und drei Spezialelemente fertig.Ist ein Element fertig, wird es an beiden Enden mit wasserdichten Schotten verschlossen. Dann wird das Becken vor der Halle geflutet, und das Element schwimmt in den Arbeitshafen. Den Wasserstand regelt ein 45 Meter breites Schwimmtor, das ohne Schienen auskommt. Im Mai 2026 wurde das erste Absenkelement an den fertigen Tunnelabschnitt an der Küste gekoppelt.

Im 18 Kilometer langen Tunnelgraben legt ein Spezialponton zuerst ein exakt ebenes Kiesbett. Schlepper bringen das Element an seine Position. Dort wird es kontrolliert geflutet, und die Absenkpontons Ivy 1 und Ivy 2 halten es beim Absinken. Nach dem Andocken wird das Wasser zwischen den Elementen abgepumpt. Dann presst der Wasserdruck der Ostsee die Fuge mit bis zu 20.000 Tonnen wasserdicht zusammen. Zum Schluss schüttet das Schiff „Wismar“ eine rund 1,5 Meter dicke Steinschicht auf. Sie schützt den Tunnel zum Beispiel vor verlorenen Schiffsankern.Auch der Umweltschutz wird eng begleitet: Mehr als 20 Fachleute überwachen die Baustelle rund um die Uhr. Außerdem entstehen über 600 Hektar Ausgleichsflächen. Dazu gehören 42 Hektar wiederbelebte Steinriffe vor Fehmarn und neue Feuchtgebiete auf Lolland.

Das Projekt liegt rund zwei Jahre hinter dem Zeitplan. Dafür gibt es drei Gründe:
Die dänische Projektgesellschaft Sund & Bælt hat deshalb im Mai 2026 umgeplant. Zuerst öffnet der vierspurige Straßentunnel. Die zweigleisige Bahnstrecke folgt, sobald die DB InfraGO die Strecken auf deutscher Seite fertig hat. So kommen früh Mauteinnahmen herein, und der Verkehr wird schneller entlastet.

Den deutschen Steuerzahler kostet der Tunnel selbst nichts. Dänemark trägt das finanzielle Risiko: Sund & Bælt nimmt Kredite auf und zahlt sie später über Maut und Nutzungsgebühren zurück. Die EU gibt 1,3 Milliarden Euro für den Tunnel und 117 Millionen Euro für die dänischen Schienen dazu. Deutschland zahlt nur den Ausbau von Straßen und Schienen auf eigenem Gebiet. Der Nutzen ist groß. Mit dem Zug dauert die Fahrt von Hamburg nach Kopenhagen dann nur noch rund zweieinhalb statt fünf Stunden. Die Regionalbahn von Burg auf Fehmarn nach Lübeck braucht künftig 49 Minuten. Skandinavien wird damit besser an den europäischen Markt angebunden. Auch bei der Sicherheit ist vorgesorgt: Straße und Schiene verlaufen in getrennten Röhren, Frontalzusammenstöße sind also ausgeschlossen. Brennt ein Zug, führen die Notausgänge in die rauchfreie Straßenröhre. Megaprojekte sind komplex, und manchmal müssen Pläne angepasst werden. Der Fehmarnbelt-Tunnel zeigt trotzdem, was Ingenieurskunst heute leisten kann. Wenn du dir das selbst anschauen willst: Das Infozentrum in Puttgarden hat eine Aussichtsplattform und lohnt sich. Die ganze Folge findest du bei XPLORE auf unserem YouTube-Kanal.
Bildrechte: Femern A/S (femern.com)
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