Schneller wohnen: Wie serieller Ziegel-Modulbau die Wohnungswirtschaft auf den Kopf stellt

Wer heute in Deutschland ein Mehrfamilienhaus bauen will, braucht vor allem eins: jede Menge Geduld. Im Schnitt vergehen vier bis fünf Jahre, bis ein klassisches Gebäude bezugsfertig ist. Angesichts der akuten Wohnungsnot in vielen Städten und Gemeinden ist das ein unhaltbarer Zustand.

Natalie Winkelmann, Geschäftsführerin der Aachener Grundvermögen, verwaltet gemeinsam mit ihrem Team ein gewaltiges Immobilienportfolio von 7,5 Milliarden Euro und bringt die aktuellen Probleme und die Rolle des Modulbaus auf den Punkt:

„Neubauzahlen sind eingebrochen, während die Nachfrage einfach nach wie vor steigt. Gleichzeitig sind die Finanzierungskosten stark gestiegen, die Baukosten sind stark gestiegen und das macht die Wirtschaftlichkeit vieler Projekte einfach nicht mehr darstellbar.“

Aber es geht auch anders, und zwar deutlich schneller: mit seriellem Modulbau. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein echtes Vorzeigeprojekt der Buwog (einer Tochter von Deutschlands größtem Wohnungsunternehmen Vonovia) im bayerischen Kaufbeuren. Hier wurde bewiesen, wie moderner Wohnungsbau heute funktionieren kann – hocheffizient, präzise und fast wie in einer Automobilfabrik.

Vom Fließband aufs Grundstück: So läuft die Produktion im Werk

Anstatt wie früher Stein auf Stein bei Wind und Wetter auf der Baustelle zu mauern, verlagert sich die Arbeit beim Modulbau fast komplett in die geschützte Fabrikhalle. Rund 85 Prozent der Wertschöpfung passieren witterungsunabhängig im Werk. Dort entstehen unter perfekten, kontrollierten Bedingungen fertige Raummodule: Estrich, Fenster, Türen und sogar die komplette Elektro- und Heizungstechnik werden direkt verbaut. Auch die Netzwerkverkabelung und Wärmepumpen-Inneneinheiten sind bereits an ihrem Platz. Selbst das Badezimmer kommt komplett fertig inklusive Fliesen, Glasduschwand und Toilettenbürste auf der Baustelle an.

Für die eigentliche Baustelle vor Ort bleibt so nur noch ein Bruchteil der Arbeit übrig – etwa 10 bis 20 Prozent Restleistung. Die fertigen Module werden per Lkw geliefert, mit einem Kran präzise wie Legosteine zusammengesetzt und montiert. In Kaufbeuren wurden so 24 Raummodule in gerade einmal vier Tagen aufgestellt. Nach weiteren zwei Tagen war das Dach komplett dicht. Regen, Schnee oder Frost? Für diesen Bauablauf überhaupt kein Thema mehr.

Warum Ziegel? Der feine Unterschied zu Holz und Leichtbauweisen

Oft wird serielles Bauen fälschlicherweise mit monotonen, grauen Plattenbauten verwechselt. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Standardisierung steckt in den cleveren Produktionsabläufen im Hintergrund, während die Architektur der Gebäude völlig individuell geplant werden kann. Und das Beste: Es wird auf echte Ziegel gesetzt.

Das patentierte Ziegel-Modulbausystem von WM Modulbau bringt handfeste Vorteile im Alltag. Ziegel sind ein genialer natürlicher Wärmespeicher. Sie nehmen Hitze tagsüber auf und geben sie erst zeitverzögert wieder ab. Das sorgt dafür, dass die Wohnungen selbst bei knackigen Außentemperaturen von über 31 Grad im Sommer angenehm kühl bleiben – ganz ohne teure und stromfressende Klimaanlagen. Gleichzeitig bietet die massive Ziegelbauweise hervorragenden Brandschutz, klasse Schallschutz und eine extreme Langlebigkeit. Ein solches Gebäude steht für Jahrhunderte und spart im Vergleich zu Holz- oder Leichtbauweise langfristig ordentlich Instandhaltungskosten.

„Ein Ziegelbauwerk gibt es halt schon seit 7000 Jahren. Deshalb war für uns immer ganz klar: Wir brauchen einen Werkstoff, der über Jahrzehnte und Jahrhunderte hält."
Tobias Waltl, Geschäftsführer, WMM AG

Zahlen, die sich lohnen – für Investoren und Mieter in Kaufbeuren

Klassisches Bauen ist durch steigende Zinsen und explodierende Materialpreise für viele Investoren kaum noch wirtschaftlich darstellbar. Der serielle Ziegel-Modulbau dreht diese Rechnung um:

  • Schneller Cashflow: Weil die Bauzeit so extrem kurz ist, fließt das Geld viel schneller wieder zurück. Anstatt jahrelang nur Kapital zu binden und Zinsen zu zahlen, lässt sich ein Projekt im Wert von 2 Millionen Euro (das entspricht etwa 14 Wohnungen) in nur sechs Monaten komplett durchziehen. Direkt danach fließen bereits rund 7.000 Euro Mieteinnahmen pro Monat.
  • Bezahlbare Nebenkosten: In Kaufbeuren liegt die Kaltmiete bei fairen 16 Euro pro Quadratmeter – und das inklusive einer hochwertigen Vollausstattung von der Einbauküche bis zu den Lampen. Dank des extrem effizienten Energiestandards „GG 40“ (KfW 40) sparen die Mieter monatlich rund 1,25 bis 1,50 Euro pro Quadratmeter an Nebenkosten ein.

Udo Sauter, Geschäftsführer der BUWOG, betont die Dringlichkeit:

„Ich glaube nicht, dass wir sagen können, dass das klassische Bausystem nicht funktioniert. Ja, aber die Herausforderungen dieser Wohnungsnot, die wir gerade in den Ballungszentren haben [...] sagen halt: Je schneller und je effektiver du Wohnraum schaffen kannst, desto besser ist es natürlich auch für uns alle.“

Hat der Ziegel-Modulbau das Potenzial zum Standard?

Modulares Bauen ist längst keine ferne Zukunftsmusik mehr. Projekte wie das der Buwog in Kaufbeuren zeigen eindrucksvoll, dass wir schnellen, bezahlbaren und extrem langlebigen Wohnraum schaffen können, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen. Um die riesige Wohnungslücke in deutschen Städten wirklich zu schließen, braucht es genau solche innovativen Ansätze. Es wird Zeit, dass diese Bauweise im deutschen Wohnungsbau Schule macht und für mehr Entlastung auf dem Markt sorgt.

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