Gropyus - das geheimnisvolle Tesla der Baubranche

Markus Fuhrmann (rechts) mit DIGITALWERK-Gründer und Podcast-Gastgeber Michél-Philipp Maruhn

Markus Fuhrmann (rechts) mit DIGITALWERK-Gründer und Podcast-Gastgeber Michél-Philipp Maruhn

Wie Markus Fuhrmann mit Gropyus ein funktionierendes europäisches Katerra aufbaut

Markus Fuhrmann assoziiert man als Mitgründer von Delivery Hero vielleicht nicht direkt mit der Baubranche, dafür jedoch mit der Fähigkeit innerhalb kurzer Zeit großartige Unternehmen aufzubauen, die riesige Probleme lösen. Sein unternehmerischer Beginn startete bereits 1999. Seitdem Markus 29 Jahre alt war, hat er immer Firmen gegründet und Projekte gestartet. 2010 ist er nach Berlin gekommen und hat im selben Jahr das Unternehmen Lieferheld gegründet, welches später zu Delivery Hero gehörte. Es folgten der Börsengang von Delivery Hero, eine weitere Gründung mit Bitcraft sowie viele Projekte und Investments in Startups. Seit 2019 hat er sich dann der Gründung von Gropyus in der Bau- und Immobilienbranche angenommen und ein beachtliches Unternehmen aufgebaut. Doch was Gropyus genau macht, wissen nur wenige in der Baubranche, da bislang kaum darüber in den Medien gesprochen wurde. Umso mehr freuen wir uns, dass Markus im DIGITALWERK Podcast ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert hat.

Wie bist du zum Bau- und Immobiliensektor gekommen?

Als serieller Gründer und Unternehmer lebte Markus unabhängig von seinem sagenhaften Erfolg mit Delivery Hero ein eher risikoreiches Leben. Unternehmen zu gründen und aufzubauen birgt immer das potentielle Risiko mit sich, dass diese nicht funktionieren. Seit Markus denken kann, hat er immer alles in seine Projekte gesteckt und dies auch sehr erfolgreich.

„Entweder bist du am Ende erfolgreich und alle denken dann, du bist großartig oder du bist nicht erfolgreich und alle halten dich für einen Depp.“

Auch wenn er in seiner unternehmerischen Laufbahn immer viel Glück hatte, wollte er seine finanzielle Situation diversifizieren. Daher ist der einer der Hauptgründe, warum Markus in die Bau- und Immobilienbranche gekommen ist, simpel: Er wollte mehr Sicherheit. Mit dem verdienten Geld hat er angefangen in Immobilien zu investieren und dadurch mehr über die Industrie erfahren. Kurze Zeit später nutzte er die Chance in das erfolgreiche Startup PlanRadar zu investieren, welches sich dem Problem des Mängelmanagements angenommen hat und Markus einen weitaus tieferen Einblick in den Markt verschaffen hat. Er bekam allmählich ein Gefühl dafür, was in der Bau- und Immobilienbranche funktioniert und welche vorherrschenden Probleme es gibt.

Markus setzte sich dann mit dem Construction Tech Giganten aus den USA, Katerra, auseinander, welches als dreifaches Unicorn Startup nicht nur hunderte Millionen Investment von renommierten Risikokapitalgebern wie Softbank einsammelte, sondern auch alle Probleme der Baubranche gleichzeitig lösen wollte und an dieser Aufgabe scheiterte. Das Geschäftsmodell war zwar nicht schlecht, aber funktionierte durch den fehlenden Fokus nicht und brachte Markus zu der Idee, Gropyus zu gründen. „Sie wollten zu viel auf einmal verändern.“, erzählt Markus im DIGITALWERK Podcast.

Doch was macht Gropyus eigentlich genau und warum wird es als das Tesla der Baubranche bezeichnet?

Gropyus schafft leistbaren Wohnraum und deckt die gesamte Wertschöpfungskette des modularen, seriellen Gebäudebaus von der Planung bis zu Auslieferung ab.

„Alles sollte skalierbar, nachhaltig und leistbar sein. Ich hörte damals oft, dass wir verrückt sind, uns diesen Dingen anzunehmen, aber das ist auch ein bisschen wahnsinnig.“

Doch er ließ sich gemeinsam mit seinen Mitgründern nicht davon abhalten, die Wertschöpfungskette mit seinen Services zu kontrollieren und ein qualitativ hochwertiges Produkt an den Markt zu bringen. Gropyus hat einen eigenen Konfigurator, der auf ihr eigenes Bausystem aufsetzt, sowie eine eigene Produktion von Materialien, für die sie selbst entwickelte Robotiksysteme einsetzen. Der Fokusbereich sind Mehrfamilienhäuser, die als fertiges Produkt vollkommen bezugsfertig abgeliefert werden und auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt werden müssen. Um den Aspekt der Nachhaltigkeit über die Wahl der Materialien hinaus zu beachten und in das Geschäftsmodell zu integrieren, sollen die Häuser nach ihrer Benutzung anderweitig weiter verwendet werden können. Um in den einzelnen Bereichen der Wertschöpfungskette qualitativ hochwertige Produkte liefern zu können, arbeitet Gropyus auch mit ergänzenden Partnern zusammen, die aus der Zuliefererindustrie oder anderen ansetzenden Industrien kommen.

In circa zehn Wochen sind die Häuser im Bausystem fertig geplant und aufgestellt. Die letztliche Produktion der auslieferbaren Häuser dauert aufgrund von Materialien wie Beton und deren Trocknungsprozesse um die 10 Monate. Gropyus beschäftigt ungefähr 300 Mitarbeiter in verschiedenen Standorten in Österreich undin Deutschland, um dieses breite Serviceangebot zu bewerkstelligen.

„Wir machen wirklich von Anfang bis zum Ende sehr, sehr viel. Wir machen das System selbst, die Bauphysik, die Produktion und Themen wie Brandschutz, Akustik und Zulassungen. Natürlich arbeiten wir mit Partnern, aber die Planung und das Design machen wir federführend. Wir haben auch alles digital unter Kontrolle.“

Wie viel Kapital braucht man, um so ein Unternehmen aus dem Boden zu stampfen?

Markus glaubt, dass solche Unternehmen verglichen mit Katera mit viel weniger Geld aufgebaut werden können. Er erzählt im DIGITALWERK Podcast, dass das, was er gemeinsam mit seinen Mitgründern mit Gropyus aufbaut, noch niemand in der Tiefe getan hat, weswegen auch einiges der Investments selbst getätigt wurde. Dennoch hatte Markus bisher Glück, denn alle Investoren, die investiert haben, haben durch ihre Hilfe einen großen Mehrwert liefern können.

„Die Finanzierungssumme ist bisher noch nicht kommuniziert worden. Es waren bisher bereits mehr als EUR 100 Millionen.“

Eine beachtliche Investmentsumme, doch für solche große Vorhaben in dieser kurzen Zeitachse braucht es genügend Kapital. Um dieses Kapital so sinnvoll wie möglich einzusetzen und Expertisen aus den unterschiedlichsten Bereichen abzudecken, ist Markus mit einem breiten Team an den Start gegangen. In seinem Team gibt es Experten aus der Bau- und Holzindustrie, aus der Bauphysik, Planer, Architekten, Ingenieure und noch viele mehr. Auch die Grundstücke haben sie bei ihren ersten zwei Projekten vollständig akquiriert, um ausreichend Nähe zum Projekt, aber auch Flexibilität beim Bau zu haben. „Es hat uns keiner geglaubt, dass wir das schaffen.“, erzählt Markus. Eine Fremdfinanzierung durch Banken hätte diese Freiheit bei der Umsetzung, der Auslieferung und der Zusammensetzung des Hauses nicht zugelassen, da gewisse Prozessschritte beim ersten Projekt länger dauerten als anvisiert und Anpassungen, Veränderungen und Verbesserung die Zeitachse üblicher Baufinanzierungen überschritten hätten. Langfristig sieht sich Gropyus jedoch nicht als Developer, sondern eher als Partner von Developern.

„Wir werden ein Produkt an den Markt bringen, das sich immer weiterentwickelt, immer günstiger und nachhaltiger wird, immer besser zu managen sein wird und eine höhere Rendite erzielen soll. Und das on Time und on Budget in einer viel kürzeren Bauzeit und einer immer besser werdenden Qualität.“

In der Zukunft sollen die Produkte zur Dekarbonisierung und zum Erreichen von Nachhaltigkeitszielen beitragen und Bestandteile eines grünen Immobilienportfolio werden. Dafür haben sie auch ein sehr enges KPI Reporting entwickelt, welches für institutionelle Investoren wie Family Offices attraktiv ist. Das schließt jedoch nicht aus, dass die Mehrfamilienhäuser bezahlbar sind. Die hauptsächliche Ausrichtung ist nämlich nicht luxuriös.

Wie lautet euer Purpose?

Markus und sein Mitgründer Philipp, der vorher jahrelang bei Zalando war, wollten etwas gründen, was einen Unterschied in der Welt machen kann. Etwas, das den Planeten besser macht und auch zur Dekarbonisierung beiträgt. Der Bausektor bot sich hierfür hervorragend an, da dieser als zweitgrößter Markt unheimlich viel Potential zur Verbesserung anbot. Außerdem wollten beide Gebäude bauen, die nicht nur für die Umwelt vorteilhaft sind, sondern auch für eine bessere Lebensqualität durch eine bessere Luftzirkulation, mehr Licht und weniger Schadstoffe sorgen.

„Wir haben von Anfang an gesagt, wir wollen Gebäude bauen, die auch neben Nachhaltigkeitsaspekten wie die Minimierung von CO2, einen Unterschied in Sachen Wohlgefühl, Gesundheit und vieles mehr machen.“

Eine große Aufgabe, die sich die Gründer gemacht haben und täglich mit dem richtigen Blick für die Zukunft angehen. Dennoch bleibt es eine große Aufgabe und eine Herausforderung, "doch probieren muss man es", erzählt Markus.

 

Die Themen des DW Podcast mit Markus Fuhrmann im Überblick:

·       Was hinter Gropyus steckt (00:07:06)

·       Warum die Gründer hinter Gropyus für verrückt gehalten werden (00:09:55)

·       Wie Gropyus die gesamte Wertschöpfungskette des Baus abdeckt (00:19:44)

·       Wie Markus das Geheimnis der Investmentsumme von Gropyus lüftet (00:22:44)

·       Wie der Purpose von Gropyus lautet (00:27:55)

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