March 3, 2026
Nach Wasser ist Zement das am häufigsten genutzte Material auf unserem Planeten und bildet das Fundament unserer modernen Infrastruktur. Mit einem globalen Emissionsanteil von rund 8 % steht die Zementindustrie jedoch vor einer monumentalen Herausforderung.
Katharina ist Chief Sustainability & New Technologies Officer bei Heidelberg Materials und beschreibt ihre Aufgabe als persönlichen „Mount Everest“. Ihr Ziel ist es, die enorme Schlagkraft des Konzerns mit über 21 Milliarden Euro Umsatz zu nutzen, um echte Veränderung voranzutreiben.

Ein zentraler Baustein der Strategie ist die technologische Dekarbonisierung durch innovative Carbon Capture and Storage (CCS) Anlagen. In Norwegen betreibt der Konzern bereits eine Anlage, die Emissionen direkt aus dem Brennprozess filtert und sicher unter dem Meeresboden speichert.
Dieser technologische Vorsprung ermöglicht die Produktion des weltweit ersten „Near Zero“ Zements unter der Marke EvoZero. Es ist ein entscheidender Schritt, um die unvermeidbaren Prozessemissionen, die beim Brennen von Kalkstein entstehen, endlich zu neutralisieren.
“Ich möchte das, was ich kann, dafür einsetzen, um Industrien, die einen großen Impact haben, zu dekarbonisieren. Deshalb war ich in der Öl- und Gasindustrie, weil ich das Gefühl hatte, wir werden noch lange Öl und Gas brauchen. Und deshalb habe ich mir Zement und Beton oder Baustoffe ausgesucht, weil ich glaube, dass ist ein Mount Everest ist - und wir alles dafür tun müssen, um das zu dekarbonisieren.” - Dr. Katharina Beumelburg
Während das Thema Nachhaltigkeit vor einigen Jahren noch einen massiven medialen Hype erlebte, ist die Branche nun in einer Phase des Realismus angekommen. Es geht heute weniger um das Verkünden ferner Ziele, sondern um die harte operative Umsetzung in über 50 Ländern.
Dekarbonisierung kostet Geld und ist technisch hochkomplex, weshalb pragmatische Lösungen nun im Vordergrund stehen. Für Heidelberg Materials bedeutet das, Nachhaltigkeit direkt in die globalen Roadmaps jedes einzelnen Standorts zu integrieren.
Die Transformation des Produkts erfordert auch ein völlig neues Denken in Marketing und Vertriebswegen. Da der klassische Bauunternehmer oft keinen direkten finanziellen Vorteil durch CO2-reduzierten Zement hat, rücken neue Akteure wie Banken und Real Estate Developer in den Fokus.
Diese haben ein großes Interesse an nachhaltigen Gebäuden, da diese höhere Mieten und bessere Verkaufspreise erzielen können. Katharina muss daher gezielt Brücken zu Tech-Giganten und Investoren bauen, um Märkte für grüne Baustoffe zu erschließen und neue Kunden zu gewinnen.
Trotz des unternehmerischen Mutes betont Katharina, dass die Industrie die grüne Wende nicht vollkommen allein stemmen kann. Sie fordert von der Politik die Schaffung von Leitmärkten und eine stärkere Berücksichtigung von CO2-Kriterien bei öffentlichen Ausschreibungen. Da Zement zu 100 % recycelbar ist, liegt auch im Urban Mining und der Kreislaufwirtschaft ein riesiges, bisher ungenutztes Potenzial.
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