45 Millionen Euro für Batterien Made in Germany: Wie Univercell einen Milliardenmarkt erobern will

Marius Strack mischt mit Univercell eine Industrie auf, bei der Europa besonders abhängig von Asien ist: die Herstellung von Batteriezellen. Im Podcast spricht er über den Weg von der Gründung zur eigenen Fabrik, Millioneninvestitionen und eine überraschend große Vision.

Vom Kinderzimmer zum Batterie-Startup

Die Geschichte von Univercell beginnt nicht mit einer App oder einem klassischen Software-Startup, sondern mit dem Plan, Lithium-Ionen-Batterien in Deutschland zu produzieren. Marius hatte zuvor Energietechnik studiert und im Umfeld einer Fraunhofer-Ausgründung an Batterieprototypen für den Automobilbereich gearbeitet. 

Gemeinsam mit seinem damaligen Chef und heutigen Mitgründer Stefan Permien entstand schließlich die Idee, aus Prototypen echte Serienprodukte zu machen. Die ersten Schritte erfolgten tatsächlich fast wie in der berühmten Garagenstory, nur dass das erste Büro die zukünftigen Kinderzimmer von Stefans Kindern waren.

Warum Univercell nicht auf das E-Auto setzt

Interessant ist vor allem, welchen Markt die Gründer bewusst nicht ins Visier nahmen: Elektroautos. Dort konkurrieren schließlich globale Batteriehersteller um gigantische Stückzahlen, während kleinere Anwendungen für sie schnell uninteressant werden. 

Michél-Philipp Maruhn, Founder & Host des DIGITALWERK-Podcasts, und Marius Strack, COO & Co-Founder von Univercell.

Univercell konzentriert sich deshalb auf Spezialanwendungen, bei denen Kunden kleinere, aber kontinuierliche Mengen und speziell angepasste Batterien benötigen – etwa für Power Tools, Industrieanwendungen oder Luftfahrt. Genau darin sieht Marius einen Sweet Spot, denn selbst Abnahmemengen von zwei bis fünf Millionen Zellen pro Jahr können für große Hersteller zu klein und für Univercell gleichzeitig hochattraktiv sein.

Batterien für Anwendungen, an die kaum jemand denkt

Technologisch unterscheidet sich Univercell unter anderem dadurch, dass die Chemie der Batteriezellen an konkrete Anwendungen angepasst werden kann. Eine Batterie für einen Gabelstapler im Kühlhaus muss schließlich unter völlig anderen Bedingungen funktionieren als ein Akku, dessen optimaler Betriebspunkt bei Raumtemperatur liegt. 

Hinzu kommt ein patentiertes Aluminiumgehäuse, durch das die Zellen laut Marius rund 15 Prozent leichter als vergleichbare Stahlvarianten sind. Besonders spannend wird es bei neuen Märkten. Einer der größten Kunden kommt laut Marius aus der Luft- und Raumfahrt, und allein beim künftigen Batteriebedarf im Weltall sieht er gewaltiges Wachstumspotenzial.

45 Millionen Euro für eine echte Fabrik

Wer Batterien produzieren will, braucht allerdings deutlich mehr als Entwickler, Laptops und Büroräume. Univercell musste bereits vor dem ersten Produkt in Maschinen und Hardware investieren und suchte deshalb rund anderthalb Jahre nach den ersten Investoren. Inzwischen hat das Unternehmen laut Marius insgesamt rund 45 Millionen Euro aufgenommen und baut seine Produktionskapazitäten deutlich aus. 

Die neuen Anlagen sollen eine Kapazität von etwa 20 Millionen Zellen pro Jahr ermöglichen, und im Best-Case-Szenario könnte Univercell über fünf Jahre insgesamt rund 300 Millionen Euro investieren.

Kann Deutschland noch Hightech-Industrie?

Dass diese Produktion ausgerechnet in Deutschland stattfindet, ist für Marius kein Widerspruch, auch wenn vor allem die Energiekosten einen erheblichen Wettbewerbsnachteil darstellen. Die Fertigung benötigt viel Energie für Wärme und Kälte, während Strom in anderen Ländern teilweise stärker subventioniert wird. 

Trotzdem würde Marius wieder in Deutschland gründen und hält den Wirtschaftsstandort für besser, als er häufig dargestellt wird. Entscheidend werde sein, schneller Kompetenzen für neue Technologien aufzubauen. Denn wenn Univercells Vision aufgeht, entsteht in Kiel nicht einfach ein weiteres Startup, sondern ein Stück neuer europäischer Industrie.

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