Altersgerechtes Wohnen: Wie Leif von ‘besser zuhause’ Wohnungen umbauen will

Leif Lewinski über 5.000 Umbauten, Handwerk, Fördermittel und ein Geschäftsmodell für eine alternde Gesellschaft

Eine alternde Gesellschaft braucht neue Wohnungen – und neue Umbauten

Deutschland steht vor einer gewaltigen demografischen Veränderung. Leif Lewinski geht davon aus, dass in den kommenden Jahren rund 20 Millionen Menschen über 65 beziehungsweise 70 Jahre alt sein werden und damit ein erheblicher Teil der Bevölkerung mit altersbedingten Einschränkungen leben wird. 

Gleichzeitig ist der bestehende Wohnraum häufig alles andere als barrierearm – insbesondere Altbauten und kleine Badezimmer stellen große Herausforderungen dar. Genau hier setzt besser zuhause an: Das Unternehmen will Menschen ermöglichen, möglichst lange selbstständig in ihrer Wohnung zu leben.

Michél-Philipp Maruhn, Founder & Host des DIGITALWERK-Podcasts, und Leif Lewinski, Co-Founder der besser zuhause GmbH

Aus einer persönlichen Erfahrung wird ein Geschäftsmodell

Die Idee für besser zuhause entstand auch aus einer persönlichen Erfahrung von Leif mit der Pflegesituation seines Großvaters. Gemeinsam mit seinen Mitgründern entwickelte er zunächst ein Konzept für bedarfsgerechte Umbauten und begann, Handwerker für die Idee zu gewinnen. 

Der Start war alles andere als einfach: Bei einem der ersten Projekte machte das Team laut Leif sogar Verlust. Im ersten Jahr wurden anschließend trotzdem bereits rund 100 Baustellen selbst umgesetzt – ein wichtiger Grundstein für das spätere Geschäftsmodell.

Standardisierung soll das Handwerk skalierbar machen

Ein zentraler Bestandteil des Modells ist die Standardisierung. Aus hunderten Baustellen haben Lewinski und sein Team gelernt, welche Arbeitsschritte sich wiederholen und wie Materialien, Abläufe und Qualitätsstandards definiert werden können. 

Heute arbeitet das Unternehmen mit einem eigenen System, einer Bauabteilung, Qualitätssicherung und einem Antrag-Service für Fördermittel. Rund 30 Prozent des Teams sind laut Leif Handwerker, etwa 40 Prozent arbeiten in der Bauabteilung.

Der eigentliche Kunde sitzt oft nicht am Telefon

Eine Besonderheit des Geschäftsmodells ist, dass die Person, die den Umbau anstößt, häufig nicht diejenige ist, die später in der Wohnung lebt. Rund 70 Prozent der Online-Anfragen kommen laut Leif von Angehörigen, häufig von Töchtern, während die pflegebedürftige Person die eigentliche Entscheidung trifft. 

Besser zuhause übernimmt deshalb nicht nur den Umbau, sondern begleitet den gesamten Prozess und unterstützt unter anderem bei Förderanträgen. Gerade diese Kombination aus Handwerk, Beratung und Service soll das Unternehmen von klassischen Sanierungsbetrieben unterscheiden.

Ein Long-Term-Game mit Millionenpotenzial

Das Geschäftsmodell steht allerdings vor einer schwierigen wirtschaftlichen Aufgabe: Die Akquisekosten sind hoch, Projekte laufen teilweise über viele Wochen und Kunden kaufen die Leistung meist nur einmal. Gleichzeitig wächst der Auftragseingang laut Leif stark – inzwischen werden knapp eine Million Euro Auftragsvolumen pro Monat geschrieben.

Für weiteres Wachstum sieht Lewinski vor allem Partnerschaften mit der Immobilienwirtschaft, effizientere Vertriebsprozesse und weitere Standardisierung als Hebel. Leifs Ziel ist kein schneller Exit, sondern ein profitables Unternehmen, das den wachsenden Bedarf an altersgerechtem Wohnen langfristig bedienen kann.

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