DIE WOHNRAUMFRAGE: Durch die Forschungsbrille! Mit Prof. Dr. Verena Rock

Die Immobilienwissenschaftlerin Prof. Dr. Verena Rock erklärt, warum Deutschland mehr braucht als Förderprogramme – und welche Lösungen in anderen Ländern Europas sich bewährt haben.

Die Wohnraumfrage braucht mehr als neue Bauziele

Die Angebotslücke wächst weiter. Besonders in den Ballungsräumen fehlen hunderttausende Wohnungen, obwohl politische Programme regelmäßig neue Ziele formulieren. In der vorletzten Folge der WOHNRAUMFRAGE wird deutlich, dass nicht die Zahl der Wohnungen insgesamt das Problem ist, sondern deren Verteilung dort, wo Menschen leben und arbeiten. Gleichzeitig sinken die Fertigstellungen weiterhin schneller, als der Bedarf gedeckt werden kann.

Kruno Crepulja, CEO der Instone Group, Prof. Dr. Verena Rock, Präsidentin der gif e.V., und Michél-Philipp Maruhn.

Warum andere Länder erfolgreicher sind

Ein Schwerpunkt der Folge ist der Blick nach Europa. Länder wie Österreich, die Niederlande oder Finnland setzen seit Jahrzehnten auf langfristige Strukturen für bezahlbaren Wohnraum statt auf kurzfristige Förderprogramme. Gemeinnützige Wohnungsunternehmen, langfristige Finanzierungsmodelle und eine strategische Bodenpolitik sorgen dort für deutlich mehr Stabilität. Deutschland liegt im europäischen Vergleich deshalb lediglich im unteren Mittelfeld.

Bezahlbares Wohnen entsteht nicht durch Regulierung allein

Im Gespräch wird auch kritisch über Instrumente wie den Mietendeckel diskutiert. Prof. Dr. Verena Rock beschreibt, dass kurzfristige Preisregulierungen zwar Entlastung schaffen können, langfristig jedoch Investitionen in Neubau und Bestand erschweren. Gleichzeitig fehlen Anreize für private Investoren, neue Wohnungen zu schaffen. Entscheidend sei deshalb, mehr Angebot zu schaffen und gleichzeitig langfristige Finanzierungsmöglichkeiten zu verbessern.

Weniger Baukosten, mehr Tempo

Neben der Finanzierung stehen auch die Baukosten im Mittelpunkt. Komplexe Vorschriften, lange Genehmigungsverfahren und hohe Qualitätsanforderungen treiben die Kosten nach oben. Serielles und modulares Bauen können künftig helfen, benötigen jedoch deutlich größere Stückzahlen, um wirtschaftlich zu werden. Ebenso wichtig sind Konzeptvergaben und eine strategischere Bodenpolitik der Kommunen.

Die drei wichtigsten Hebel für die Zukunft

Zum Abschluss formuliert Prof. Dr. Verena Rock drei konkrete Prioritäten: eine aktive Bodenpreissteuerung mit Konzeptvergaben, den Ausbau gemeinwohlorientierter Wohnungsstrukturen sowie einfacheres und kostengünstigeres Bauen. Erst das Zusammenspiel dieser Maßnahmen könne langfristig mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. Es wird deutlich, dass keine einzelne politische Entscheidung das Problem lösen wird, sondern nur ein langfristiger, koordinierter Ansatz.

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