DIE WOHNRAUMFRAGE: Kann der Bund und die BIMA beim Wohnungsbau helfen?

BIMA-Vorständin Dorothee Martin über Bundesflächen, schnellere Verfahren und die Frage, warum die Wohnraumkrise vor allem mehr Verbindlichkeit braucht

Wenn der Bund zum Immobilienentwickler wird

Die Wohnungsfrage gehört zu den drängendsten Herausforderungen Deutschlands. Trotz sinkender Bevölkerungszahlen bleibt bezahlbarer Wohnraum vor allem in Ballungsräumen knapp. Ein wichtiger Akteur dabei ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz BIMA, die die Immobilien und Flächen des Bundes verwaltet und entwickelt. Mit einem Portfolio von rund 460.000 Hektar und tausenden Liegenschaften besitzt sie einen erheblichen Hebel für die zukünftige Wohnraumentwicklung.

Michél-Philipp Maruhn, Founder & Host des DIGITALWERK-Podcasts, Kruno Crepulja, CEO der Instone Group, und Dorothee Martin, Vorständin der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Bezahlbarer Wohnraum als staatliche Aufgabe

Die BIMA verwaltet bereits rund 38.000 Wohnungen und verfolgt ambitionierte Neubauprogramme für Bundesbedienstete und die Bundeswehr. Dabei zeigt sich: Die Herausforderungen unterscheiden sich kaum von denen der privaten Immobilienwirtschaft – Baukosten, Geschwindigkeit und regulatorische Anforderungen betreffen alle Akteure gleichermaßen. Besonders wichtig ist dabei die Frage, wie schneller und kosteneffizienter gebaut werden kann. Standardisierung, serielle Bauweisen und einfachere Prozesse gelten als zentrale Lösungsansätze.

Der Kulturwandel im Wohnungsbau entscheidet

Für Dorothee Martin ist die Wohnraumfrage nicht nur eine finanzielle, sondern vor allem eine Frage der Haltung und der Umsetzung. Mehr Fördergelder allein werden die Probleme nicht lösen, wenn Genehmigungen weiterhin Jahre dauern und Entscheidungen nicht konsequent getroffen werden. Gerade Kommunen spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, vorhandene Instrumente mutig zu nutzen. Mehr Verbindlichkeit und Transparenz können dabei helfen, Wohnungsbauprojekte deutlich schneller umzusetzen.

Weniger Bürokratie, mehr Zusammenarbeit

Ein entscheidender Faktor ist die bessere Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Immobilienwirtschaft. Erfolgreiche Beispiele wie das Hamburger Bündnis für das Wohnen zeigen, dass klare Ziele und gegenseitige Verpflichtungen einen echten Kulturwandel auslösen können. Gleichzeitig braucht es moderne Verwaltungsstrukturen, mehr digitale Unterstützung und ein stärkeres Verständnis für Projektmanagement in Genehmigungsprozessen. Nur wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, können die dringend benötigten Wohnungen schneller entstehen.

Neue Möglichkeiten für den Bund

Die Rolle des Bundes im Wohnungsmarkt könnte in Zukunft noch größer werden. Durch neue Finanzierungsmöglichkeiten, Projektpartnerschaften und die stärkere Nutzung vorhandener Flächen kann die BIMA zusätzlichen Wohnraum schaffen. Gleichzeitig wird deutlich, dass es nicht um die Konkurrenz zwischen Staat und Privatwirtschaft geht, sondern um gemeinsame Lösungen. Die Wohnraumfrage bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur durch Zusammenarbeit und den Mut zu neuen Wegen gelöst werden kann.

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