Millionenbusiness Handwerk: Kann Contorius die Instandhaltung von Immobilien revolutionieren?

Zwischen geplatzter Millionen-Finanzierung und dem Plan, in fünf Jahren bundesweiter Multitechnik-Dienstleister zu werden

Vom Handwerksbetrieb zum Gründer

Julius Wittchow kommt nicht aus der Start-up-Szene, sondern direkt aus dem Handwerk: Nach seiner Ausbildung ging er nach Hamburg und arbeitete fast 20 Jahre lang selbstständig in Bau, Hausverwaltung und Projektentwicklung. Genau dort erlebte er die immer gleichen Probleme der Instandhaltungsbranche hautnah mit. 

Gemeinsam mit seinem Co-Founder Yannik, der aus dem Facility Management für Industrie und Gewerbe kommt, gründete er Contorius. Ihr Ziel: die Strukturen aus dem professionellen Facility Management auf die fragmentierte Wohnungswirtschaft übertragen.

Michél-Philipp Maruhn, Founder & Host des DIGITALWERK-Podcasts, und Julius Wittchow, Founder von Contorius.

Das Grundproblem der Instandhaltung

Julius beschreibt eindrücklich, wie eine einfache Reparatur heute abläuft: Der Mieter meldet eine Störung, die Hausverwaltung muss reagieren, ein Handwerker muss organisiert und ein Termin mit dem Mieter abgestimmt werden. Bis der tropfende Wasserhahn tatsächlich repariert ist, vergehen oft drei Monate. 

Am Ende wundern sich alle Beteiligten, warum die Reparatur so teuer war, obwohl das eigentliche Problem die ineffiziente Prozesskette ist. Genau hier will Contorius mit einem eigenen Störungsportal ansetzen, das Meldung, Freigabe und Auftragsvergabe direkt miteinander verknüpft.

Die Buy-&-Build-Strategie

Statt neue Handwerksbetriebe von Grund auf aufzubauen, kauft Contorius bestehende Firmen mit rund 30 bis 40 Mitarbeitenden und 5 bis 8 Millionen Euro Jahresumsatz. Wittchow betont, dass ihm dabei die eigene Herkunft aus der Branche hilft: Wer die Sprache des Handwerks nicht spricht, wird bei Verhandlungen mit Betriebsinhabern schnell aussortiert. 

Anders als klassische Finanzinvestoren will Julius keine „Heuschrecke im Schlips und Kragen" sein, die Betriebe zerschlägt und alles besser weiß. Stattdessen sollen übernommene Betriebe als Basis dienen, an die weitere Zukäufe organisch andocken können.

Rückschläge und die Vision für die Zukunft

Der bislang größte Tiefpunkt kam kurz vor Weihnachten, als eine bereits ausgehandelte Finanzierungszusage für den ersten Betriebskauf kurzfristig zurückgezogen wurde. Julius reagierte, indem er schnell auf eine Bankfinanzierung mit einem neuen Partner umschwenkte, statt das gesamte Konzept infrage zu stellen. 

Sein Rat an andere Gründer: erst einmal durchatmen, sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen und bei der eigenen Vision bleiben. In den nächsten fünf Jahren will Contorius zu einem bundesweiten Multitechnik-Dienstleister werden, der mit Rahmenverträgen und vorausschauender Instandhaltung dem Fachkräftemangel aktiv entgegenwirkt.

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