August 4, 2026
Wir sind zurück im Start Up Month! Humanoide Roboter dominieren derzeit die Schlagzeilen. Doch auf der Baustelle gelten andere Regeln als in einer Fabrik oder einem Forschungslabor. Im DIGITALWERK Podcast erklärt Lena-Marie Pätzmann, CEO und Co-Founderin von sitegeist, warum ihr Unternehmen bewusst auf einen spezialisierten Roboter statt auf einen menschenähnlichen Humanoiden setzt. Entscheidend sei nicht, wie spektakulär ein Roboter aussieht, sondern ob er ein konkretes Problem schneller, sicherer und wirtschaftlicher lösen kann.
Die Geschichte von sitegeist beginnt an der Technischen Universität München. Aus einem Forschungsprojekt entstand die Idee, die gefährliche Betonsanierung mit Robotik zu automatisieren. Statt komplette Baustellen neu zu denken, integriert sich der Roboter in bestehende Abläufe und erkennt sogar die Markierungen, die Bauleiter heute bereits auf den Beton auftragen. Dieser praxisnahe Ansatz soll die Einstiegshürde für Bauunternehmen möglichst gering halten und den Einsatz wirtschaftlich machen.
Viele Robotiklösungen scheitern nicht an der Technik, sondern am Aufwand für Einrichtung und Bedienung. Genau dort setzt sitegeist an: Der Roboter soll ohne vorheriges 3D-Modell direkt auf der Baustelle arbeiten können und sich in bestehende Prozesse einfügen. Das spart Zeit und erhöht die Akzeptanz bei den Unternehmen. Gleichzeitig bleibt zunächst weiterhin ein Mitarbeiter vor Ort, der den Einsatz überwacht und bei Bedarf eingreifen kann.
Der erste Anwendungsfall ist die Betonsanierung von Brücken, Tunneln und Tiefgaragen. Während ein Mensch mit einer Hochdruckwasserlanze durchschnittlich etwa einen halben Kubikmeter Beton pro Tag entfernt, soll der Roboter bis zu drei Kubikmeter schaffen. Damit reduziert sich nicht nur die körperliche Belastung erheblich, sondern auch die Projektdauer. Für Bauunternehmen eröffnet das die Möglichkeit, mehr Projekte in kürzerer Zeit abzuwickeln und dem Fachkräftemangel besser zu begegnen.
Obwohl sitegeist bereits mehrere Millionen Euro Kapital eingesammelt hat, befindet sich das Unternehmen noch in einer frühen Entwicklungsphase. Die Gründer verfolgen bewusst einen pragmatischen Ansatz: Erst soll ein konkreter Anwendungsfall perfektioniert werden, bevor weitere Einsatzgebiete hinzukommen. Langfristig soll daraus eine modulare Robotikplattform entstehen, die mehrere Arbeitsschritte auf der Baustelle übernehmen kann. Die Folge zeigt eindrucksvoll, dass die Zukunft des Bauens nicht mit möglichst menschenähnlichen Robotern beginnt, sondern mit Lösungen, die reale Probleme effizient lösen.
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