Von der Parkplatz-Brache zum Stadtquartier
Ganz in der Nähe vom S-Bahnhof Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg gibt es ein unspektakuläres Brachgelände – Autos, Asphalt, Stille. Dabei schlummert hier seit Jahren enormes Potenzial. Investor Christian Gérôme hat das Areal rund um den historischen Güterbahnhof schon 2011 erworben und träumt seitdem von einem lebendigen Stadtquartier.
Nun, fünfzehn Jahre später, rückt dieser Traum endlich in greifbare Nähe: Der Bezirk Pankow und Gérôme haben sich auf einen Entwicklungsrahmen geeinigt – und beide wollen jetzt Tempo machen.
400 Wohnungen, ein Gymnasium – was konkret geplant ist
Das Herzstück des Entwurfs: Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude von 1870 soll zum Mittelpunkt des neuen Quartiers werden. Drumherum sollen bis zu 400 Wohnungen entstehen – in einem langgestreckten Wohnriegel und einem Hochhaus mit maximal 60 Metern Höhe, passend zu den benachbarten DDR-Türmen im Ernst-Thälmann-Park.
Rund 30 Prozent der Einheiten sind als Sozialwohnungen vorgesehen, die restlichen Apartments zu Mieten zwischen 15 und 20 Euro pro Quadratmeter. Ergänzt wird das Ensemble durch ein Gymnasium, Einzelhandel und Gastronomie.
Der „Bau-Turbo": Wie Berlin Planungsrecht auf Tempo trimmt
Normalerweise dauert die Genehmigung eines solchen Projekts Jahre – mit Bebauungsplanverfahren, Einspruchsfristen und dem für Berlin typischen “Behördenpingpong”. Pankow will hier einen anderen Weg gehen, mithilfe des sogenannten „Bau-Turbos". Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung erlaubt, vom bestehenden Planungsrecht abzuweichen und Wohnungsbauvorhaben innerhalb von nur drei Monaten zu genehmigen.
Club und Kinderzirkus müssen Platz machen
Nicht alle freuen sich über die neue Dynamik. Auf dem Gelände haben sich über die Jahre Kulturnutzungen angesiedelt – darunter ein Club und ein Kinderzirkus, die sich in der Industriebrache ungestört eingepasst hatten, wie es in Berlin so oft passiert. Mit Erteilung der Baugenehmigung müssen sie gehen. Investor Gérôme betont, das sei von Anfang an klar gewesen. Für einen Skate-Park hat der Investor eine Ausweichfläche besorgt. Es ist ein bekanntes Berliner Dilemma: In Zwischenräumen entsteht durch Zwischennutzungen Identität und Kultur - bis die Projektentwicklung startet, und die Bagger anrollen.
Baustart 2027 – wenn alles nach Plan läuft
Aktuell läuft der Architekturwettbewerb: Sechs Büros haben die Chance, den Entwurf für das außergewöhnliche Hochhaus zu liefern – im September soll der Sieger feststehen. Wenn alles glattgeht, könnte der Bau schon 2027 beginnen. In zwei bis vier Jahren wären die ersten Wohnungen bezugsfertig. Ob der ambitionierte Zeitplan hält, wird sich zeigen – Berlin und Bautermine haben eine komplizierte Beziehung.
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