Fehmarnbelt-Tunnel: Erstes 73.500-Tonnen-Element erfolgreich versenkt

May 13, 2026
Autor/in:
Thomas Lippold

Meilenstein am Fehmarnbelt: Das erste 73.500 Tonnen schwere Tunnelelement wurde vor Dänemark präzisionsversenkt. Trotz technischer Erfolge verschiebt sich die Eröffnung der 18 km langen Verbindung auf 2031. Dieser Artikel beleuchtet Details zu Ingenieurskunst, Spezialschiffen und dem aktuellen Projektstatus.

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Copyright Sund & Bælt Holding A/S

Fehmarnbelt-Tunnel: Erstes 73.500-Tonnen-Element erfolgreich versenkt

Die Errichtung der festen Fehmarnbeltquerung hat mit der Versenkung des ersten Tunnelelements einen entscheidenden technischen Meilenstein erreicht. In einer präzisen, über 14-stündigen Operation wurde das 217 Meter lange und 42 Meter breite Bauteil vor der dänischen Küste Lollands auf den Meeresgrund herabgelassen. 

Fünf Schlepper und das Spezialschiff „Ivy“ manövrierten den 73.500 Tonnen schweren Betonkörper in die ausgebaggerte Tunnelrinne. Die Ingenieure nutzten einen Hydraulik-Arm, um das Element mit einer Fehlertoleranz von lediglich wenigen Millimetern an das dänische Tunnelportal in Rødby anzudocken. 

Technische Daten und Konstruktion der Absenktunnel-Elemente

Die technischen Anforderungen an die insgesamt 89 geplanten Elemente übertreffen bisherige Maßstäbe im Wasserbau deutlich. Jedes Standardelement ist schwerer, breiter und länger als die Bauteile, die bei der Öresundverbindung zum Einsatz kamen, teilte Lasse Vester vom zuständigen Unternehmen Sund & Bælt dem NDR mit. Um den notwendigen Abtrieb für die Absenkung zu erzeugen, wurde das Element im Vorfeld mit 4.500 Tonnen Ballastbeton beschwert. 

Während des Absinkvorgangs stabilisierte Ballastbeton den Körper, der im Inneren vier Röhren für den künftigen Autobahn- und Eisenbahnverkehr beherbergt. Nach der erfolgreichen Positionierung werden die Grabenränder nun mit Steinen und Schotter aufgefüllt, um die dauerhafte Fixierung des Betonkörpers sicherzustellen.

Innovative Tunnel-Fertigung und maritime Logistik in Rødbyhavn

Die Logistik des Projekts stützt sich auf eine spezialisierte Infrastruktur, darunter eine besondere Fabrik in der Nähe von Rødbyhavn. Dort werden sowohl die Standardelemente als auch die Spezialelemente für die Tunneltechnik gefertigt. Schwierige Strömungsverhältnisse und Wetterbedingungen verzögerten den Beginn des eigentlichen Absenkvorgangs. Diese Abhängigkeit von äußeren Faktoren unterstreicht die Komplexität des Manövers und die Herausforderungen, die mit dem Bau einhergehen. 

Zeitplan und Verzögerungen beim Bau des Fehmarnbelttunnels

Trotz des technischen Fortschritts hat sich der Zeitplan für die Fertigstellung der 18 Kilometer langen Verbindung nach hinten verschoben. Ursprünglich für 2029 avisiert, wird die Eröffnung nach aktuellen Prognosen erst im Jahr 2031 erfolgen. Die Projektgesellschaft Femern A/S führt dies primär auf Verzögerungen beim Bau und der Zertifizierung des Spezialschiffs „Ivy“ während der Pandemie zurück. 

Ein weiterer kritischer Faktor ist die deutsche Hinterlandanbindung, deren vollständige Fertigstellung derzeit nicht vor 2031 erwartet wird. Insbesondere die geplante Querung des Fehmarnsunds durch einen weiteren, 1,7 Kilometer langen Absenktunnel stellt eine logistische Hürde auf deutscher Seite dar.

Infrastruktur-Bedeutung: Hamburg-Kopenhagen in 2,5 Stunden

Nach seiner Fertigstellung wird der Fehmarnbelt-Tunnel die Reisezeit per Bahn zwischen Hamburg und Kopenhagen auf etwa 2,5 Stunden reduzieren. Das Projekt gilt als das wichtigste grenzüberschreitende Infrastrukturvorhaben Nordeuropas und soll den Transitverkehr massiv beschleunigen. Die Refinanzierung des Bauwerks ist durch ein nutzerbasiertes Modell vorgesehen, wobei die Mautgebühren kurz vor der Inbetriebnahme durch das dänische Verkehrsministerium festgelegt werden. 

Das erfolgreiche Versenken des ersten Elements ist somit ein fundamentaler Schritt, um die Vision einer leistungsfähigen, festen Verbindung zwischen Skandinavien und Zentraleuropa zu realisieren. Dieser technische Durchbruch legt das Fundament für die weiteren 88 Absenkmanöver, die in den kommenden Jahren folgen werden.

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