Wie aus recycelten Altkleidern innovative Textil-Ziegel werden

April 15, 2026
Autor/in:
Thomas Lippold

Das Unternehmen FabBRICK fertigt aus recycelten Textilabfällen ökologische Ziegelsteine für den Innenausbau. Die ohne Hitze gepressten Baustoffe nutzen geschredderte Altkleider als Basis und bieten funktionale Eigenschaften in der Wärme- und Schalldämmung. Ein praxisnahes Beispiel für Kreislaufwirtschaft in der Innenarchitektur.

Bildquelle:
FabBRICK

Nachhaltiges Bauen: Die Vision hinter dem Start-up FabBRICK

Das Pariser Studio FabBRICK wurde 2018 von der Architektin Clarisse Merlet gegründet. Die Idee ist denkbar simpel: Wie gelingt die Wiederverwertung von Textilabfällen in feste Materialien für den Innenbereich? Bis zum Jahr 2026 wurden bereits über 84.000 kg Textilien auf diese Weise wiederverwertet. Der Ansatz von FabBRICK verbindet architektonische Forschung mit der Frage nach einem neuen Umgang mit industriellen Ressourcen.

Wie werden aus alten Klamotten Ziegel zum Bauen?

Die gesamte Produktion des kleinen Pariser Unternehmens findet in einer 400 m² großen Werkstatt statt. Die Masse, aus der die Ziegel gepresst werden, besteht zu 81 % aus Textilfasern und zu 19 % aus einem ökologischen Bindemittel. Dieser Kleber setzt sich aus einer biobasierten Komponente und mineralischen Bestandteilen zusammen. Der Herstellungsprozess verzichtet vollständig auf einen Brennvorgang oder den Einsatz synthetischer Konservierungsstoffe. Stattdessen werden die Komponenten mechanisch vermengt und ohne Hitzezufuhr in Form gepresst. Seit 2025 ermöglicht das Verfahren neben dem klassischen Ziegelformat auch freie, skulpturale Formen.

Welche Vorteile können Textil-Bausteine haben?

Die physikalischen Eigenschaften des Materials resultieren direkt aus der textilen Basis und dem verwendeten Bindemittel. Das Endprodukt gilt als robust, wirkt schallabsorbierend und besitzt thermisch isolierende Qualitäten. Zudem ist die Materie nach Herstellerangaben als schwer entflammbar klassifiziert. Für die Anwendung im Innenausbau stehen verschiedene Farbtöne und drei Oberflächenmuster zur Auswahl. Die Farbe ergibt sich logischerweise durch die bei der Produktion verwendeten Textilreste.

Das Modell der Kreislaufwirtschaft - nur im Pariser Atelier

Die Kreislaufwirtschaft wird durch ein Rücknahmesystem mit den Kunden realisiert, die ihre Textilabfälle zur Verarbeitung einreichen. Textilien werden vorrangig lokal in Frankreich gesammelt, um die Rückverfolgbarkeit des Prozesses zu gewährleisten. Zusätzliche Komponenten wie Holz oder Metall für strukturelle Elemente werden ebenfalls in Frankreich verarbeitet.

Skalierung der Produktionskapazitäten bis Ende 2026

Im Jahr 2026 ist das Ziel, die jährliche Verarbeitungskapazität auf 100.000 kg Textilien zu steigern. Dies entspricht einer geplanten Produktion von etwa 50.000 bis 100.000 FabBRICKs pro Jahr. Während die industrielle Fertigung skaliert werden soll, bleibt ein Teil der Produktion für experimentelle, rein handwerkliche Einzelstücke reserviert. Das Wachstum wird durch Investitionen in neue Anlagen und eine Erweiterung des Teams auf elf Mitarbeitende getragen.

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