Vom Exit an Prosieben bis hin zum Aufbau eines Software-Giganten mit Alasco

Benjamin Günther (rechts) mit DIGITALWERK-Gründer und Podcast-Gastgeber Michél-Philipp Maruhn

Wie Benjamin Günther sein erstes Unternehmen im Fashion Bereich an Prosieben verkaufte und zu seiner Gründung von Alasco im Bau- und Immobiliensektor kam.

Benjamin Günther ist damals in die Karriere als Unternehmer reingerutscht. Zusammen mit seinen damaligen Kommilitonen hat er sein ersten Unternehmen noch im Studium im Fashionbereich gegründet, obwohl alle nur wenig von Fashion verstanden. Was sie jedoch erkannt haben, war ein großes Problem, das sie mit Software lösen konnten und damit kannten sie sich sehr gut aus. Mit ihrem vierköpfigen Gründerteam und der notwendigen Expertise im technischen als auch im betriebswirtschaftlichen Bereich haben sie sich dem Problem der Motivsuche und fehlenden Produktstammdaten im Modebereich angenommen und dieses technisch durch Algorithmen gelöst und dabei eine gute Bedienbarkeit für den Kunden vorausgesetzt. Das Ergebnis war erfolgreich, denn einige Jahre später folgte der große Exit an Prosieben. Eine Vision, die viele Gründer sich für ihr Startup wünschen und die Benjamin und seine Mitgründer schon früh umsetzen durften. 

“Wir haben den Verkauf angestoßen, als ProSieben bereits Shareholder bei uns war und schon investiert hat. In 2016 haben sie die Firma dann komplett übernommen und dieser Moment des Verkaufs war wirklich sehr surreal.”

Benjamin erinnert sich daran, dass es ein komisches Gefühl war, von heute auf morgen seine selbst aufgebaute Firma nach acht Jahren zu verkaufen und zu merken, dass man nicht mehr gebraucht wird. “Es war wie in einem schlechten amerikanischen Film, in dem man seine Box mit eigenen Sachen packt und sich fragt, was als nächstes folgt”, erzählt Benjamin im DIGITALWERK Podcast. Doch es war der richtige Schritt, denn Prosiebens Strategie überschnitt sich mit der von seinem Unternehmen, welches zu dem damaligen Zeitpunkt umfassend in der Fashion Industrie etabliert war. Benjamin und seine Mitgründer bemerkten damals, dass die Sinnhaftigkeit des Unternehmens sich von der Vorstellung des Gründerteams stark unterscheidete, da sie sich auch nach acht Jahren nicht zu den Menschen in der Fashionbranche zugehörig fühlten. 

Was folgte nach dem Exit? 

Nach dem Verkauf nahmen sich alle Gründer die Zeit zu überlegen, was als nächster Schritt folgen soll. Sie setzten sich mit der Frage auseinander, was sie im Leben wirklich machen wollen und überbrückten die Zeit mit verschiedenen Dingen. Benjamin entschloss sich in Startups zu investieren und kam über einen Kontakt früh an den Gründer von Personio, der ihm die Möglichkeit bot, in das heutzutage sehr erfolgreiche Startup zu investieren und als Boardmitglied einzusteigen. 

Die Zeit als Advisor und die Startup Investments führten schließlich dazu, dass Benjamin und seine damaligen Mitgründer realisierten, dass sie wieder gründen wollten. 

“Uns treibt alle diese Unruhe unternehmerisch etwas zu machen. Wir haben festgestellt, dass wir wieder gründen wollen. Diesmal jedoch in einer Industrie, die wichtig ist und ein großes Problem, was durch Software gelöst werden kann.”

Es sollte ein Bereich sein, in dem sie durch eine Softwarelösung einen maximalen Effekt im B2B Bereich erreichen können. Der erste Schritt in den Bau- und Immobiliensektor erfolgte durch die Gründung einer kleinen Immobilienfirma, mit der kleinere Projekte umgesetzt werden. In 2018 entstand hieraus die Idee Alasco zu gründen, diesmal zwar nicht zu viert, sondern zu dritt, aber mit demselben Gründerteam wie bei der ersten Firma.

“Wir haben die Ups und Downs des Unternehmertums zusammen durchgestanden. Deswegen muss sich keiner dem anderen erklären, sondern jeder kennt den anderen und weiß, was ihn auf die Palme bringt oder zur Höchstleistung anspornt. Das gepaart mit unserem Kernvertrauen, das wir aufgebaut haben, führte dazu, dass wir uns als Gründerteam erneut gefunden haben.”

Was macht Alasco genau?

Alasco unterstützt mit der entwickelten Software Kunden im Bau- und Immobiliensektor beim Financial Controlling und ESG Controlling ihrer Immobilienprojekte jeglicher Art. Darunter fallen sowohl Neubauten als auch Bestandsimmobilien von Kunden, die von mittelständischen Bauträgern bis zu Projektentwicklern kompletter Quartiere reichen. Alasco hilft den Kunden dabei insbesondere bei der Prozessoptimierung im Bereich Finanzen als auch bei der Realtime Datenbereitstellung, die einen umfassenden Überblick über alle Eingangs- und Ausgangsrechnungen sowie Zahlungsbeträge in Echtzeit und eine bessere Entscheidungsfindung ermöglicht. 

Der Handwerker muss nicht direkt auf die Plattform mit eingebunden werden, profitiert aber indirekt ungemein, da die Rechnungsbegleichung durch Alasco deutlich schneller ist. Benjamin erzählt im DIGITALWERK Podcast, dass dieser Prozess von zwei bis drei Monaten auf durchschnittlich zehn Arbeitstage reduziert werden konnte. Aus diesem Grund scheint die Nutzung von Alasco auch für Handwerker logisch und die Hürde zur Nutzung der Software ist minimal. Alasco bietet für alle Beteiligten des Prozesses einen Vorteil und erhöht hierdurch das Interesse an einer aktiven Nutzung.

“Software löst viele Probleme, aber aus unserer Sicht nur, wenn sie gut und von allen Beteiligten an einem Bauprojekt genutzt wird. Dann ist es eine Win-Win Situation für alle.”

Die Idee zur Gründung von Alasco kam damals über einen Freund von Benjamins Mitgründer Jürgen Sebastian, der das Problem aus dem Markt erkannt hat. Damals erhielt man analoge Unterschriftenlisten mit Rechnungen für diverse Projekte, die den Prozess uneffizient und langwierig machten. Für Benjamin und seine Mitgründer waren damit einige Punkte als Voraussetzungen für eine Gründung erfüllt: das Problem war groß, die Industrie hatte einen großen Bedarf und die Lösung konnte durch Software abgebildet werden. Zusammen mit Partnern haben sie das Produkt entwickelt und durch das regelmäßige Feedback fortlaufend verbessert. Bis heute werden neue Eigenschaften und Produkt Features von diesen Kunden und Partnern vor einer Live-Schaltung getestet und für gut gefunden und kommen somit bei dem Endkunden wirklich gut an. Mit dem größten Problem der Kostenkontrolle fingen sie damals an und entwickelten im Laufe der Jahre das Produkt in verschiedene Bereiche wie ESG Controlling und Erlöscontrolling, die sich durch die Bedürfnisse der Akteure am Markt abzeichneten. 

Was sind die nächsten Schritte für Alasco? 

Alasco hat neben externen Kapitalgeber wie die bekannten Venture Capital Investoren HV Capital aus Deutschland und Inside Partners aus den USA auch klassische Investoren und Business Angels an Bord, die in das Unternehmen investiert haben. Die letzte Finanzierungsrunde haben Benjamin und seine Mitgründer im Dezember 2021 mit über €35 Millionen neuem Kapital bei einer Bewertung mit über €100 Millionen abgeschlossen. Die Maßgabe für die kommenden Jahre ist es, mit den Investments eine bedeutende Firma aufzubauen, die große Probleme der Industrie löst. Insbesondere die steigende Bedeutung der Nachhaltigkeit bietet viele Möglichkeiten, das Unternehmen weiter auszubauen und wichtige Probleme global zu lösen. 

Das erste Büro in Großbritannien wurde bereits eröffnet und weitere Expansionen sollen folgen, da das Controlling im Finanzbereich der Immobilien- und Bauindustrie nicht nur ein deutsches Problem darstellt. Benjamin glaubt daran, dass es möglich ist, starke lokale Firmen im B2B Softwarebereich aufzubauen, die unabhängig von anderen Ländern sind. Ein wichtiger Teil davon ist auch, die Komplexität des Einstiegs in die Branche vor allem für Talente zu reduzieren, um den Zugang zu erleichtern. Wir bleiben gespannt und werden die Entwicklung von Alasco weiterhin gespannt verfolgen.

Die Themen des DW Podcast mit Benjamin Günther im Überblick:

  • Benjamins Exit an Prosieben (00:01:44)
  • Investments nach dem Exit (00:08:45)
  • Wie die Idee zu Alasco entstand (00:10:54)
  • Was Alasco macht (00:15:31)
  • Die nächsten Schritte für Alasco (00:25:54)

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