Wie Craftview Marktführer für Handwerker Software in Europa werden möchte

Klaus Enke (rechts) mit DIGITALWERK-Gründer und Podcast-Gastgeber Michél-Philipp Maruhn

Wie Klaus Enke die Craftview durch den Erwerb verschiedener Handwerkersoftware Unternehmen und einem sehr kundenorientierten Ansatz zum Marktführer Europas aufbauen möchte.

Klaus Enke ist CEO der Craftview und verfolgt die große Vision Craftview durch eine besondere Buy & Build Strategie zum Marktführer im dynamischen Marktumfeld der Handwerker Software in Europa zu machen. Er hat bereits vor seiner Tätigkeit als CEO der Craftview die Hauptzeit seines beruflichen Lebens in der Softwarebranche gearbeitet und im Studium angefangen für Firmen Software selbst zu programmieren. Nach seinem Abschluss hat er in verschiedenen Softwareunternehmen gearbeitet, die entweder selbst sehr schnell gewachsen sind, sich in Umbruchphasen befanden oder bei denen Unternehmenszusammenschlüsse und -käufe an der Tagesordnung lagen. So lag es nicht fern, dass er nach jahrelang gesammelter Erfahrung in diesem Bereich den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und Unternehmer sowie Investoren zur Strategie von Unternehmenskäufen und -verkäufen beraten hat. Nach einiger Zeit wurde das jedoch zu langweilig und monoton, sodass er wieder zur operativen Seite gewechselt ist und vor zweieinhalb Jahren die operative Verantwortung der Craftview übernahm.

Gemeinsam mit den Investoren der Craftview, Battery Ventures, ein Finanzinvestor, der sich auf die Softwarebranche spezialisiert hat und bereits Erfahrung mit dem Handwerkersoftware Markt in den USA gesammelt hat, haben sie sich den Markt der Handwerker Software global angeschaut und festgestellt, dass dieser hochfragmentiert und unüberschaubar ist. Nach intensiver Auseinandersetzung haben sie erkannt, dass sich der Markt sehr schnell bewegt und im Umbruch ist, aber sich noch kein Marktführer etabliert hat.

„Wir haben erkannt, dass die Branche einen Marktführer braucht. Einen, der alles von vorne aufbaut und vorangeht.“

Auch wenn Deutschland im Bau- und Handwerkermarkt nicht für seine Schnelligkeit im Bezug auf Digitalisierung bekannt ist, so haben sich Klaus und seine Geschäftspartner bewusst für den Start in Deutschland entschieden. Klaus erzählt im DIGITALWERK Podcast, dass der deutsche Markt aus mehreren Gründen spannend ist und viele Chancen bietet, da er sehr groß ist, eine hohe Dynamik herrscht und die Fragmentierung in Deutschland besonders hoch im Vergleich zum europäischen Ausland ist. Er geht davon aus, dass vieles, was im Rest von Europa bereits digitalisiert wurde, wird in den kommenden Jahren auch schnell ankommen und diese Annahme bietet einen großen Vorteil. Inzwischen ist die Craftview jedoch nicht mehr nur noch in Deutschland tätig, sondern auch bereits nach Benelux expandiert. Das Wissen und die Erfahrungen die länderübergreifend gesammelt werden, wird genutzt, um in den jeweiligen Märkten erfolgreich zu werden.

Unter den bereits gekauften Unternehmen zählt unter anderem WinWorker dazu, welches bereits erfolgreich im Maler- und Lackierersegment verbreitet war.  Die Kunden von WinWorker sind jedoch breit gestreut, denn unter ihnen gibt es darüber hinaus auch weitere Gewerke wie Stuckateure, Trockenbauer, Fliesenleger und zu einem Viertel sogar komplett andere Branchen. Die meisten Unternehmen im Handwerkersoftware Markt haben historisch bedingt einen Schwerpunkt gelegt, um Bedürfnisse der Kunden über ein generisches Problem hinaus adressieren zu können. Durch Craftview kann dieser Ansatz aufgelöst und breiter angegangen werden, da die Unternehmen unter der Craftview zusammengeführt werden.

„Wir haben kein Portfolio an verschiedenen Unternehmen, die wir separat managen und für die Zukunft optimieren. Wir führen die Unternehmen tatsächlich zusammen, denn unser Ziel ist es, ein Unternehmen zu schaffen.“

Auch nach dem Kauf der Unternehmen bleiben die Brands und Namen der individuellen Unternehmen bestehen, da durch die etablierten Marken vertrauensvolle Kundenbeziehungen erhalten bleiben und diese oft emotional getrieben sind. Der Erkenntniswert sowie die eigene Selbstständigkeit in der Entwicklung der einzelnen Unternehmen soll erhalten bleiben und dabei gleichzeitig die Möglichkeit gegeben werden, von der Craftview als interne neutrale Plattform zu profitieren.

Wie viele Unternehmen habt ihr mit der Craftview bereits gekauft?

Klaus erzählt im DIGITALWERK Podcast, dass sie bisher sechs Unternehmen in Deutschland und in Benelux in verschiedenen Standorten gekauft haben. Darunter hat ein Unternehmen eine breite internationale Kundenbasis mit Kunden in ganz Europa, in den USA und in Kanada, sodass Craftview hier Einblicke in verschiedene Märkte sammeln kann. Der Schwerpunkt bleibt dennoch erstmal in der DACH Region sowie in den Benelux Ländern. Eine Limitierung von oder Abgrenzung zu bestimmten Gewerken gibt es nicht. Die Craftview fährt den Ansatz, dass bei allem was Klaus und seine Partner tun, stets die Kundenbedürfnisse analysieren und schauen, was der Kunde braucht. Erst dadurch entwickelt sich das Portfolio. Dieser Ansatz wird von den Kunden sehr gut angenommen, sodass sich die Craftview bereits eine gute Marktpräsenz schaffen konnte. Unter ihren Kunden sind sowohl kleine Unternehmen mit zehn Mitarbeitern als auch große Unternehmen mit mehr als 150.000 Mitarbeitern. Das vergrößert die Bandbreite der Kundenbedürfnisse, die die Craftview abbildet, um ein Vielfaches.

Durch die hohe Dynamik im Marktgeschehen ändern sich nicht nur Strukturen, sondern auch das Angebot sowie die Unternehmen selbst. Es entsteht eine starke Konvergenz und in bestimmten Bereichen oder Branchen steht mehr Kapital zur Verfügung, welches für eine gesteigerte Anzahl an Unternehmenszusammenschlüssen und Konsolidierungen führt. Diese Markttendenz ist zum Vorteil für Klaus und seine Partner und führt dazu, dass das Unternehmenskonzept gut angenommen wird. Die Unternehmen, die von der Craftview erworben wurden, profitieren von drei Komponenten: der Cloud-Technologie, dem Preismodell und dem Service, der für Kunden angeboten wird.

„Der Wechsel in die Cloud ist mehr als ein reiner Technologie Wechsel. Das bringt viele Vorteile für den Kunden und die Unternehmen profitieren von unserer Wartung und den Insight in das Kundenverhalten.“

Klaus fügt noch hinzu, dass durch das Abo-Preismodell alte klassische Preismodelle der Handwerker Software Unternehmen ergänzt werden und den Kunden dadurch mehrere Optionen geliefert werden können. Der größte Service liegt jedoch im Software as a Service Bereich, wobei Klaus die Betonung auf den Service legt. Beim Vertrieb der Software ist diese Komponente eine der wichtigsten, da die Craftview den Kunden spezialisierte Mitarbeiter stellt, die bei dem Launch der Software sowie bei Problemstellungen proaktiv unterstützen. Die Zufriedenheit des Services wird sogar über einen Promoter Score gemessen und zeigt ein sehr positives Bild. Um ihrem Maßstab gerecht zu werden, haben sie den Ansatz der Produktentwicklungen auf den umgestellt und den Customer Success zentriert, um gemeinsam Unternehmen und die gesamte Branche zu transformieren.

„Wir müssen die Kundenbedürfnisse erst verstehen, um dann dem Kunden auch tatsächlich helfen zu können. Hierfür führen wir oft Umfragen durch und gestalten danach unsere Leistungen. Dafür bekommen wir extrem gutes Feedback.“

Habt ihr bei der Größe von 300 Mitarbeitern Startup Mentalität oder wie sieht die Kultur der Craftview aus?

Von neuen Mitarbeiter:innen bekommt Klaus immer wieder zurückgemeldet, dass die Craftview eine sehr ausgeprägte Kultur hat. Da die Craftview mitten in der Covid-Pandemie gegründet und aufgebaut wurde, ist ein fester Kulturbestandteil die Flexibilität des Arbeitsortes. Es gibt keine Büropflicht und jedem Team ist es eigenständig freigestellt, dies festzulegen. Eine richtige Zentrale oder ein Hauptquartier ist dabei nicht vorgesehen und soll langfristig auch so bleiben, da Klaus diesen Ansatz nicht mehr als zeitgemäß empfindet. Die Craftview ist ein hybrides Unternehmen mit viel Teamarbeit und bietet regelmäßig Möglichkeiten an, durch Team Events, Feiern oder anderen Gelegenheiten auch offline zusammen zu kommen.

Insbesondere durch den Zusammenschluss der verschiedenen aufgekauften Unternehmen hat sich eine ganz besondere Kultur entwickelt. Klaus erzählt im DIGITALWERK Podcast, dass es viele Synergien gibt, die sie versuchen zu nutzen und die Zusammenarbeit und Effizienz zu fördern. Beispiele hierfür sind die Nutzung von Schnittstellen, die Bündelung von Knowhow oder der gemeinsame Vertrieb der verschiedenen Softwarelösungen.

„Die Weiterentwicklung der Kultur ist eine meiner Hauptaufgaben. Angefangen bei unseren Kunden, zieht sich diese bis zu uns durch. Wie sieht die Zukunft für unsere Kunden aus? Wie müssen wir intern zusammenarbeiten? Welche Mentalität muss man an den Tag legen, um tatsächlich einen Impact für unsere Kunden zu erzielen?“

Fest steht, dass Klaus fest an die Vision und das Ziel glaubt, Marktführer zu werden und sich hierfür mit Fragestellungen zu befassen, die über den eigenen Horizont hinaus gehen. Die nächsten Schritte sind, sich mit anderen Märkten wie Skandinavien zu befassen, um aus deren technologischem Fortschritt zu lernen und das tiefe Verständnis der Kundenbedürfnisse auszubauen. Derzeit arbeitet die Craftview eine Umfrage aus, die genau solche Fragestellungen abfragt, um den nächsten Schritt genau zu definieren und strategisch zu planen, ob hierfür ein weiteres Unternehmen gekauft werden sollte oder ob die Bedürfnisse organische mit den eigenen Teams abbildbar sind. Wir bleiben gespannt und beobachten die weitere Entwicklung und Expansion.

 Die Themen des DW Podcast mit Klaus Enke im Überblick:

  • Von der Marktanalyse zur Gründung der Craftview (00:00:52)
  • Der Start im deutschen Handwerkersoftware Markt (00:04:03)
  • Das Ziel der Craftview (00:07:17)
  • Der kundenorientierte Ansatz als Erfolgsrezept (00:14:28)
  • Die Vorteile der Buy & Build Strategie (00:20:36)
  • Technologischer Wandel - eine stetige Kulturarbeit (00:23:14)
  • Was wird als nächstes gekauft? (0027:55)

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