DIE WOHNRAUMFRAGE: Wie wir in dem Schlamassel gelandet sind

Der ehemalige Vonovia-Chef Rolf Buch über Wohnraummangel, soziale Gerechtigkeit, Baukosten und die politischen Entscheidungen, die jetzt getroffen werden müssen.

Wohnraummangel betrifft längst den gesellschaftlichen Zusammenhalt

In Folge 2 der WOHNRAUMFRAGE diskutieren Michél und Kruno mit Rolf Buch über die Ursachen der Wohnungsnot in Deutschland. Obwohl bundesweit rund 1,8 Millionen Wohnungen leer stehen, verweist Buch darauf, dass der eigentliche Mangel vor allem in den großen Städten und Ballungsräumen besteht. 

Besonders betroffen seien Menschen mit geringeren Einkommen, Studierende, Familien und Personen in schwierigen Lebenssituationen. An Beispielen wie überfüllten Frauenhäusern oder jungen Menschen ohne eigene Wohnung macht er deutlich, welche sozialen Folgen fehlender Wohnraum haben kann.

Michél-Philipp Maruhn, Founder & Host des DIGITALWERK-Podcasts, Kruno Crepulja, CEO der Instone Group, und Rolf Buch.

Die Kritik an der Mietpreisbremse

Ein Schwerpunkt des Gesprächs ist die aktuelle Mietregulierung. Buch argumentiert, dass von gedeckelten Mieten häufig auch Menschen profitieren, die wirtschaftlich nicht auf diese Unterstützung angewiesen sind. Gleichzeitig hätten einkommensschwächere Haushalte oft schlechtere Chancen, bei stark nachgefragten Wohnungen überhaupt berücksichtigt zu werden. Aus seiner Sicht führt dies dazu, dass vorhandene Entlastungen nicht immer bei denjenigen ankommen, die sie am dringendsten benötigen.

Mehr Wohnungen bleiben aus seiner Sicht der wichtigste Hebel

Trotz aller Debatten über Regulierung sieht Buch die grundlegende Ursache der Krise im fehlenden Angebot. Wenn mehr Menschen Wohnraum nachfragen, müsse auch mehr Wohnraum entstehen. Zwar könne man bestehende Flächen effizienter nutzen und Fehlentwicklungen im Markt korrigieren, doch allein dadurch lasse sich das Problem nicht lösen. Für ihn bleibt zusätzlicher Neubau die zentrale Voraussetzung, um den Druck auf den Wohnungsmarkt langfristig zu reduzieren.

Hohe Baukosten und lange Verfahren bremsen den Wohnungsbau

Neben dem Wohnungsmangel spricht Buch ausführlich über die wirtschaftlichen Hürden beim Bauen. Er nennt insbesondere langwierige Genehmigungsverfahren, steigende Baustandards und hohe Finanzierungskosten als wesentliche Kostentreiber. Gleichzeitig fehle vielen Projektentwicklern nach den Krisenjahren das notwendige Eigenkapital, um neue Projekte anzustoßen. Dadurch werde selbst dort zu wenig gebaut, wo der Bedarf nachweislich hoch ist.

Neubau, Baukosten und Mietrecht müssen gemeinsam gedacht werden

Zum Ende der Folge plädiert Buch dafür, mehrere Reformen gleichzeitig anzugehen. Neben einer stärkeren Bautätigkeit brauche es aus seiner Sicht niedrigere Baukosten, schnellere Genehmigungsprozesse und eine sozial zielgerichtetere Mietregulierung. In diesem Zusammenhang bewertet er die diskutierte Idee einer Bundeswohnungsfinanzierungsgesellschaft grundsätzlich positiv, weil sie Investitionen erleichtern könnte. Entscheidend sei jedoch, dass keine Einzelmaßnahme als alleinige Lösung betrachtet werde, sondern alle relevanten Stellschrauben gleichzeitig bewegt werden.

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