Ein Milliarden-Exit in der Bauindustrie: Wie Fermacell in der Krise wächst

Christian Claus, CEO bei James Hardie Europe / Fermacell

Christian Claus, CEO bei James Hardie Europe / Fermacell

Christian Claus, CEO von James Hardie Europe, spricht über amerikanisches Mindset, zweistelliges Wachstum und den Mega-Deal mit Holcim.

Der Milliarden-Deal am europäischen Baumarkt

Christian Claus leitet als CEO die europäischen Geschäfte von James Hardie und der bekannten Marke Fermacell. Vor kurzem wurde bekannt, dass das europäische Geschäft für fast eine Milliarde US-Dollar an den Schweizer Konzern Holcim verkauft wird. Dieser strategische Schritt erfolgte, weil sich die amerikanische Muttergesellschaft künftig primär auf ihren extrem profitablen nordamerikanischen Kernmarkt konzentrieren möchte. Dadurch entstand die einmalige Chance, für das etablierte europäische Gipsfasergeschäft einen idealen neuen Eigentümer zu finden.

Michél-Philipp Maruhn und Christian Claus im DIGITALWERK-Podcast

Zweistelliges Wachstum inmitten der Krise

Die Bauindustrie leidet seit dem Ausbruch des Ukrainekrieges massiv unter steigenden Zinsen und einem drastischen branchenweiten Nachfragerückgang. Dennoch ist es dem Team von Fermacell in dieser schwierigen Marktphase überraschend gut gelungen, aus eigener Kraft kontinuierlich zu wachsen. Das Unternehmen verzeichnete in den vergangenen vier Jahren ununterbrochen zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz und Unternehmensgewinn. Dieser enorme wirtschaftliche Erfolg basiert maßgeblich auf einer dynamischen Unternehmenskultur und stark fokussierten Innovationen im Bereich der energetischen Gebäudesanierung.

„Wir sind extrem mutig und schnell und wollten immer eher einen Speedingticket als ein Parking Ticket bekommen.”

Holcim als strategischer und kultureller Partner

Bei der Suche nach einem passenden Käufer lag der Fokus nicht nur auf dem maximalen Preis, sondern auch auf dem besten Integrationskonzept. Holcim erwies sich hierbei als perfekter Partner, da der Konzern sein Geschäft abseits von klassischem Zement stark in Richtung nachhaltigerer Systemlösungen ausbauen möchte. Besonders wichtig war den Verantwortlichen dabei, dass die bestehende und erfolgreiche Unternehmensstruktur von Fermacell mit ihren 1100 Mitarbeitern intakt bleibt. So kann das eingespielte Managementteam seine Arbeit nahtlos fortsetzen und Fermacell als globale Plattform im zukunftsträchtigen Holzbau etablieren.

Michél macht ein Bild von Christian und sich für die DIGITALWERK-Community

Kuriose politische Hürden im Bundestag

Ein Unternehmensverkauf in solch einer gigantischen Größenordnung erregt in Deutschland zwangsläufig auch viel Aufmerksamkeit im politischen Raum. So kam es zu der kuriosen Situation, dass die AfD einen offiziellen Antrag im Bundestag einreichte, um den Mega-Deal vehement zu stoppen. Die Fraktion argumentierte dabei allen Ernstes, dass ein vermeintlicher Ausverkauf deutscher Unternehmen und eine weitere Marktkonzentration das Bauen für alle massiv verteuern würden. Trotz dieses unerwarteten politischen Störfeuers geht Claus fest davon aus, dass die europäische Kommission der wichtigen Transaktion in den nächsten Monaten final zustimmen wird.

Christian Claus im Studio bei DIGITALWERK

Digitalisierung als Schlüssel der Zukunft

Neben neuen Eigentümerstrukturen wird die Baubranche in den nächsten Jahrzehnten vor allem durch den vermehrten Einsatz von Künstlicher Intelligenz grundlegend verändert werden. Christian Claus ist fest davon überzeugt, dass diese digitalen Technologien die seit Ewigkeiten stagnierende Produktivität der Bauwirtschaft endlich spürbar heben können. Diese technologische Entwicklung bietet zugleich eine wertvolle Chance, dem stetig wachsenden Fachkräftemangel im klassischen Handwerk zumindest teilweise entgegenzuwirken. Wer künftig beim Schaffen von bezahlbarem Wohnraum erfolgreich sein möchte, muss diese Innovationen laut dem Experten zwingend mutig annehmen und progressiv vorantreiben.

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