
Dr. Eberhard Sasse - Vorstandsvorsitzender bei Dr. Sasse AG
September 22, 2026
In den 1970er Jahren herrschte in München nach den erfolgreichen Olympischen Spielen eine absolute Aufbruchstimmung, die den Sprung in die Moderne für die gesamte Region spürbar machte. Dr. Eberhard Sasse, der ursprünglich aus Berlin stammt und ein Studium der Rechts- und Politikwissenschaften absolviert hatte, erkannte diese einmalige wirtschaftliche Chance in seiner neuen Wahlheimat.
Obwohl er branchenfremd war, gründete er 1976 mit viel Mut und ganz ohne einen klassischen Businessplan eine kleine Gebäudereinigung. In den ersten Tagen bestand das gesamte Team lediglich aus zwei bezahlten Arbeitskräften, während der junge Gründer selbst als dritte Kraft tatkräftig auf den Baustellen mit anpackte.

Sein allererster Auftrag führte ihn in eine Münchner Genossenschaftsbank, wo er sich mühsam bis in das Vorzimmer des Verantwortlichen durchgekämpft hatte. Diese frühe Phase war geprägt von starkem Überlebenswillen, fehlender Bürokratie und der festen Überzeugung, dass sich harter Einsatz am Ende immer auszahlt.
Den Begriff des Facility Managements gab es in der deutschen Wirtschaft der späten 70er Jahre noch gar nicht, da alle Dienstleistungen rund um Gebäude strikt getrennt vergeben wurden. Erst gegen Ende der 1980er Jahre begann sich diese ganzheitliche Betrachtung von Liegenschaften langsam durchzusetzen, ein Wandel, den Sasse gemeinsam mit anderen Weggefährten aktiv vorantrieb.
Er verstand früh, dass die Bündelung verschiedenster Gewerke wie Reinigung, Heizung, Klima und Elektrik aus einer Hand enorme finanzielle sowie strukturelle Vorteile für die Auftraggeber bringt. Mit der Gründung von Fachverbänden und der zunehmenden Professionalisierung der Branche entwickelte sich sein Unternehmen Schritt für Schritt zum hochmodernen Dienstleister.
Um die operative Realität wirklich zu beherrschen, absolvierte der promovierte Sasse sogar noch die Meisterprüfung im Gebäudereiniger-Handwerk, auch wenn er im ersten Anlauf an der Glasreinigung scheiterte. Heute steuert das Unternehmen die Prozesse datengetrieben, optimiert aktiv Verbräuche und trägt so maßgeblich zur Wettbewerbsfähigkeit und Entbürokratisierung der deutschen Wirtschaft bei.
"Ich gebe zu, denken ist schwerer noch, als im Steinbruch Steine zu klopfen. Deswegen mögen die meisten Leute das Denken nicht. Denken ist wirklich kompliziert und schwierig."
Auf dem langen und mitunter steinigen Weg zum Großunternehmen mit heute knapp 10.000 Mitarbeitenden lernte der passionierte Gründer auch die unschönen Schattenseiten der Personalführung intensiv kennen. Er gibt heute unumwunden und reflektiert zu, dass sein größter beruflicher Fehler in der Vergangenheit war, häufiger charismatische Blender mit echten, tatkräftigen Führungskräften verwechselt zu haben.
Diese Manager glänzten zwar in den monatlichen Meetings mit hervorragenden PowerPoint-Präsentationen und souveränem Auftreten, zeigten aber im echten Kundenkontakt deutliche Schwächen. Wenn operative Fehler vor Ort passierten, schoben diese Führungskräfte stets den eigenen Mitarbeitern, den widrigen Umständen oder gar den Kunden selbst die Schuld in die Schuhe.

Aus dieser harten, aber lehrreichen Erfahrung zog Sasse die unmissverständliche Konsequenz, dass man bei erkannten Problemen auf Managementebene keine Zeit verlieren darf. Wer eine solche personelle Fehlentscheidung aus reiner Furcht vor den Konsequenzen verschleppt, lässt ein unternehmerisches Krebsgeschwür wachsen, weshalb nur ein sofortiger, radikaler Schnitt hilft.
Trotz vieler Unkenrufe in den Medien blickt Dr. Sasse heute mit großem Optimismus auf den Wirtschaftsstandort Deutschland, auch wenn tiefgreifende strukturelle Veränderungen unumgänglich sind. Um im internationalen Wettbewerb dauerhaft bestehen zu können, investiert seine Unternehmensgruppe aktuell einen deutlichen zweistelligen Millionenbetrag in neue ERP-Systeme und angewandte Künstliche Intelligenz.
Sasse ist fest davon überzeugt, dass reine Sprachbarrieren durch moderne Technologie künftig kaum noch eine Rolle spielen werden, wenn Anlagenmechaniker ihre Übersetzungs-App auf der Baustelle nutzen. Gleichzeitig betont er unermüdlich, dass eine kluge und gut gesteuerte Einwanderungspolitik zwingend erforderlich ist, um dem eklatanten Fachkräftemangel in der personalintensiven Dienstleistungsbranche effektiv entgegenzuwirken.
Wenn die Politik es schafft, der Bevölkerung wieder eine klare Vision zu vermitteln und den Mut zum Aufbruch zu fördern, sieht er enormes Potenzial. Die deutsche Wirtschaft wird seiner festen Überzeugung nach diese aktuelle Delle überwinden und in zehn Jahren wieder als leistungsstarker Motor in einem geeinten Europa glänzen.

Als klassisches und stolzes Familienunternehmen, das mittlerweile gut 400 Millionen Euro umsetzt, ist die Dr. Sasse Gruppe bis heute vollständig in familiärer Hand geblieben. Die Töchter Laura und Clara wurden von klein auf ganz natürlich in den Unternehmensalltag integriert und lernten die Freuden sowie Sorgen des Betriebs auf Sommerfesten hautnah kennen.
Die Eltern achteten stets darauf, Geschäftliches und Privates nicht künstlich zu trennen, übten dabei aber niemals direkten Druck auf die Berufswahl ihrer Kinder aus. Nach einigen wichtigen Jahren im Ausland und komplett ohne elterlichen Zwang entschieden sich beide Töchter schließlich ganz bewusst und aus eigenem Antrieb für den Einstieg ins Unternehmen.
Die jüngere Tochter Clara bringt durch ihr Psychologiestudium wertvolle neue Perspektiven ein, da die Hälfte der Wirtschaft aus psychologischen Faktoren besteht. Damit ist der Fortbestand des Imperiums gesichert und das beeindruckende Lebenswerk des Gründers wird von der nächsten Generation ambitioniert, mutig und mit neuen Impulsen in die Zukunft geführt.
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