Binnenschifffahrt & Energiewende: CEO Steffen Bauer im Interview

Von Niedrigwasser bis Wasserstoff: Die Transformation eines 850 Millionen Euro starken Logistikriesen

Eine verborgene Milliardenbranche

Die Binnenschifffahrt ist ein elementarer Bestandteil unserer Wirtschaft, der in der breiten Öffentlichkeit oftmals kaum Beachtung findet. In diesem Markt agiert die HGK Group als dominanter Player mit einem beeindruckenden Gesamtumsatz von rund 850 Millionen Euro. Geleitet wird das kommunale Kölner Unternehmen von Steffen Bauer, der einst als Auszubildender in der Logistik startete und heute den Vorstandsvorsitz innehat. Unter seiner Führung steuert der Logistikkonzern die größte Binnenschiffsflotte Europas, die mehr als 300 eigene und partnerschaftlich betriebene Schiffe umfasst.

Innovationen gegen den Klimawandel

Wiederkehrende Niedrigwasserphasen haben die gesamte Branche seit dem Jahr 2018 vor fundamentale klimatische Herausforderungen gestellt. Als direkte Antwort darauf etablierte die HGK Group ein eigenes Designcenter zur Entwicklung hochmoderner Spezialschiffe. Anstatt massiver Stahlkörper für maximale Zuladung zu konstruieren, liegt der Fokus der Ingenieure heute auf innovativer Leichtbauweise zur Steigerung des Auftriebs. So entstand beispielsweise die Synthese 18, ein Schiffstyp, der selbst bei acht Zentimetern Kauber Pegel noch beachtliche 400 Tonnen Ladung sicher transportieren kann.

„Ich glaube, uns fehlt manchmal die Kreativität, die Zukunft zu beschreiben.”

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Die Logistik der Energiewende

Neben den sinkenden Pegelständen muss sich die Schifffahrt parallel auf tiefgreifende Veränderungen der Transportgüter durch die fortschreitende Dekarbonisierung einstellen. Da der Transport fossiler Brennstoffe wie Kohle absehbar drastisch abnehmen wird, fokussiert sich das Unternehmen zunehmend auf alternative Energieträger und den industriellen Abtransport von CO2. Weil reiner Wasserstoff bei extremen Minusgraden logistisch hochkomplex zu verschiffen ist, setzt man bei der HGK auf Derivate wie Ammoniak als chemischen Trägerstoff. Für diese neuen Anforderungen entwirft die Unternehmensgruppe völlig neue und flexible Schiffstypen, die künftig unterschiedlichste Gase oder Chemikalien transportieren können.

Alles aus einer Hand

In einer Epoche zunehmend vulnerabler und komplexer Lieferketten suchen Kunden intensiv nach verlässlichen Partnern mit robusten Infrastrukturen. Die HGK Group bietet genau diese gesuchte Resilienz, da sie den gesamten logistischen Prozess über eigene Hafenterminals, Eisenbahnen und Schiffe souverän kontrolliert. Sollte ein Transportweg wie der Rhein kurzfristig ausfallen, kann das Unternehmen die Fracht flexibel auf die firmeneigenen Lokomotiven der Rheincargo umleiten. Dieser direkte Zugriff auf physische Anlagen erweist sich in globalen Krisenzeiten als absolut entscheidender Wettbewerbsvorteil gegenüber reinen Vermittlern ohne eigenen Fuhrpark.

Der Architekt der künftigen Güterströme

Trotz des unweigerlichen Wegfalls traditioneller Massengüter blickt Steffen Bauer äußerst positiv in die Zukunft und wehrt sich entschieden gegen den Mythos einer sterbenden Branche. Vielmehr begreift sich die HGK Group heute als vorausschauender Architekt der Logistik, der schon jetzt massiv in die Infrastruktur von morgen investiert. Das klare Ziel ist es dabei stets, die komplexen Wertschöpfungsketten der Industrie in Europa weiterhin wettbewerbsfähig und leistungsstark zu halten. So wandelt sich ein ehemals traditionelles Kölner Hafenunternehmen stetig zum unverzichtbaren Taktgeber der europäischen Güterströme.

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