Generative KI (GenAI) ist ein Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz, das aus Eingaben - sogenannten Prompts - eigenständig neue Inhalte erzeugt: Texte, Bilder, Videos oder Programmcode. Anders als klassische KI, die vor allem Daten auswertet und Prognosen trifft, produziert GenAI selbst. In deutschen Unternehmen ist die Technologie angekommen. Die Frage ist längst nicht mehr ob, sondern wie konsequent.
Für den GenAI Impact Report Germany 2026 hat das IT-Dienstleistungsunternehmen adesso im Februar 2026 rund 500 Führungskräfte und 1.000 Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland befragt. Die veröffentlichten Ergebnisse zeichnen ein Bild, das auch für Bau- und Immobilienunternehmen relevant ist.
Die eine Hälfte skaliert, die andere verliert den Anschluss

2024 gab sich knapp jedes dritte Unternehmen bei der eigenen GenAI-Vorbereitung die Note „gut“ oder „sehr gut“. 2025 sprang dieser Wert auf 49 Prozent - 2026 liegt er nahezu unverändert. Der große Schub ist damit abgeschlossen, die zweite Hälfte kommt nicht nach.
Daraus entsteht eine Zweiteilung der deutschen Unternehmenslandschaft: Wer 2025 den Sprung geschafft hat, konsolidiert jetzt. Wer abgewartet hat, verliert Boden. Abwarten ist damit keine neutrale Position mehr, sondern eine Entscheidung mit Kosten.
Warum die Chefetage über den KI-Erfolg entscheidet
Der deutlichste Hebel sitzt nicht in der Technologie, sondern in der Führung. Wo das Management GenAI voll unterstützt, setzen 41 Prozent der Unternehmen KI sowohl in Kern- als auch in unterstützenden Anwendungsfällen ein, weitere 19 Prozent ausschließlich in Kernprozessen. Fehlt dieser Rückhalt, dominieren die Hilfsprozesse und 28 Prozent haben gar keinen klaren Schwerpunkt, sondern nutzen Tools nur gelegentlich, um Inhalte zu erzeugen.
Für Unternehmen mit gewachsenen Strukturen (Kalkulation, Planung, Bauleitung, Vermietung, Verwaltung) heißt das: Ein Pilotprojekt im Marketing verändert nichts an der Wertschöpfung. Wirkung entsteht erst dort, wo Software die Kernprozesse selbst berührt. Und diese Verschiebung entscheidet die Geschäftsführung, nicht die IT.
Softwareentwicklung: der unsichtbare Fünfte im Team
Am schärfsten messbar ist der Effekt in der Anwendungsentwicklung. Jedes fünfte Unternehmen, das Generative AI in der Softwareentwicklung einsetzt, meldet eine Produktivitätssteigerung von über 26 Prozent. Das entspricht rechnerisch einem zusätzlichen Entwickler in einem Team von fünf, ohne eine einzige Neueinstellung. Weitere 35 Prozent berichten von Steigerungen zwischen zehn und 25 Prozent.
Gebremst wird die Skalierung nicht von der Technik, sondern von Compliance-Anforderungen (38 Prozent), fehlenden Skills (34 Prozent) und mangelnder Akzeptanz im Team (25 Prozent). Wer eigene Software entwickelt oder entwickeln lässt - von der Projektplattform bis zum Kundenportal - findet hier den schnellsten Hebel.
Die Kundschaft ist offener als gedacht
Bemerkenswert ist der Blick von außen: Nur 27 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher bewerten den Einsatz von KI grundsätzlich negativ. 42 Prozent sagen, es komme darauf an, wie die Technologie umgesetzt ist. Weiteren 22 Prozent ist es egal, solange das Ergebnis stimmt.
Zusammen sind das 64 Prozent pragmatische Mitte, weder begeistert noch ablehnend. Diese Gruppe lässt sich nicht mit Buzzwords gewinnen, sondern mit sichtbar besseren Ergebnissen, spürbarer Entlastung und klaren Leitplanken.
Ein Blick in den Report: Wirkung beginnt früher als erwartet
Ein Befund aus dem Report ergänzt dieses Bild: adesso ordnet die befragten Unternehmen vier Reifegraden zu: Starter, Experimenter, Adopter und Skalierer. Interessanter als die Verteilung ist der Zusammenhang dahinter. Ein messbarer Beitrag von GenAI zu Umsatz und Ergebnis stellt sich nicht erst bei den Skalierern ein, sondern bereits eine Stufe früher.
Unternehmen brauchen also keine fertig ausgebaute KI-Organisation, bevor sich erste wirtschaftliche Effekte zeigen, sie brauchen erste Initiativen, die strukturiert aufgesetzt sind.
Was das für Bau und Immobilien bedeutet
Die Branche gehört nicht zu den KI-Vorreitern und muss es auch nicht. Entscheidend ist die Reihenfolge: erst klären, welche Prozesse Software wirklich tragen kann, dann Governance und Datenschutz aufsetzen, dann skalieren. Wer diese Reihenfolge umdreht, produziert Pilotprojekte, die nie in den Betrieb kommen.
Wie unabhängig die deutsche Wirtschaft dabei technologisch aufgestellt ist, hat unser Artikelpartner adesso im Index Digitale Souveränität untersucht.

Mehr zum GenAI Impact Report Germany 2026 mit allen Benchmarks gibt es hier:



