Wohnungsbau neu gedacht: Wie serieller Modulbau Tempo in den Neubau bringen kann

September 2, 2026
Autor/in:
Anna Berger

Serieller Modulbau verlagert einen großen Teil der Bauleistung von der Baustelle in die Fabrik. Das Beispiel Kaufbeuren zeigt, wie vorgefertigte Ziegelmodule den Wohnungsbau beschleunigen und welche Chancen die industrielle Produktion für wirtschaftlichere Neubauprojekte bietet.

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Wohnungsbau neu gedacht: Wie serieller Modulbau Tempo in den Neubau bringen kann

Dass Deutschland dringend neuen Wohnraum braucht, hat sich nicht geändert. Nach wie vor ist es schwierig, ihn wirtschaftlich zu realisieren. Das liegt nicht alleine an hohen Planungskosten oder Genehmigungsprozessen. Gestiegene Bau- und Finanzierungskosten treffen auf lange Projektlaufzeiten und eine Branche, die einen Großteil ihrer Wertschöpfung noch immer direkt auf der Baustelle erbringt. 

Einen möglichen Ausweg bietet die Industrialisierung, die schon die Automobilbranche in ihr goldenes Zeitalter geführt hat. Beim Bauen geht das auch; Wohnungen werden in Fabriken und an Fertigungsorten weitgehend unter kontrollierten Bedingungen vorproduziert und anschließend auf der Baustelle montiert. Wie weit dieser Ansatz inzwischen entwickelt ist, zeigt ein Projekt in Kaufbeuren, bei dem die patentierte Ziegel-Modulbauweise von WMM zum Einsatz kommt.

Wenn Wohnungsbau zur industriellen Produktion wird

Die Idee hinter dem seriellen Modulbau ist erstaunlich einfach. Statt jedes Gebäude auf der Baustelle Stück für Stück zusammenzusetzen, wandert ein großer Teil der Arbeit in die Fabrik. Dort entstehen komplette Raummodule inklusive Fußböden, Fenstern, Badezimmern, Elektroinstallation und Teilen der Gebäudetechnik. 

Bei WMM werden rund 85 Prozent der Leistungen bereits im Werk erbracht, sodass auf der Baustelle “nur” montiert wird und verbleibende Anschlussarbeiten stattfinden. Der Wohnungsbau nähert sich damit einem Prinzip an, das andere Industrien seit Jahrzehnten prägt: standardisierte Prozesse in der Produktion, kombiniert mit individueller Gestaltung des fertigen Produkts.

Blick hinter die Kulissen: In der Fabrik findet der Großteil der Modul-Fertigung statt.

Kaufbeuren zeigt, welches Tempo möglich ist

Besonders interessant wird das Prinzip dort, wo auf bestehenden Grundstücken schnell zusätzlicher Wohnraum entstehen soll. In Kaufbeuren nutzt die BUWOG Flächen einer älteren Wohnanlage zur Nachverdichtung. 

Für ein dort errichtetes Gebäude wurden 24 vorgefertigte Module innerhalb von vier Tagen montiert, ein paar Tage später war laut WMM auch das Dach geschlossen. Keine monatelangen Rohbauarbeiten vor Ort. Was bleibt, ist ein größtenteils industriell vorbereiteter Montageprozess.

Massiver Ziegel trifft auf serielles Bauen

Dabei muss industrielles Bauen nicht zwangsläufig Leichtbau bedeuten. In Kaufbeuren kommen massive Ziegelmodule zum Einsatz. Ziegel punkten unter anderem durch ihre thermische Speichermasse sowie Eigenschaften beim Schall- und Brandschutz und ermöglichen zugleich ein dauerhaft stabiles Tragwerk. 

Entscheidend ist jedoch die Kombination mit der Vorfertigung. Estrich, Fenster, Bad und technische Installationen können so bereits unter kontrollierten Bedingungen im Werk integriert werden. WMM verbindet damit ein traditionelles Baumaterial, Ziegelsteine, mit einem Produktionsprinzip, das eher an eine moderne Fabrik als an eine klassische Baustelle erinnert.

Geschwindigkeit wird zum wirtschaftlichen Faktor

Für Bauherren und Investoren geht es dabei nicht nur darum, möglichst schnell ein Gebäude aufzustellen. Je kürzer die Zeit zwischen Investition, Fertigstellung und Vermietung ausfällt, desto früher kann ein Projekt Erträge erwirtschaften. Gerade in einem Markt, in dem viele Neubauprojekte aufgrund hoher Kosten kaum noch wirtschaftlich darstellbar sind, wird Geschwindigkeit damit selbst zu einem relevanten Faktor der Projektkalkulation.

Die eigentliche Innovation liegt im Prozess

Serielles Bauen allein wird die Wohnungsnot in Deutschland nicht lösen – es kann jedoch helfen, vorhandene Projekte schneller und planbarer umzusetzen. Das Prinzip lässt sich zudem nicht nur auf klassische Mehrfamilienhäuser anwenden, sondern beispielsweise auch auf studentisches Wohnen, Mitarbeiterwohnungen oder Schulen; das WMM-System ist nach Unternehmensangaben aktuell für Gebäude mit bis zu sieben Etagen statisch freigegeben. 

Das Projekt in Kaufbeuren demonstriert damit vor allem einen Perspektivwechsel: Nicht jedes Gebäude muss zum industriellen Einheitsprodukt werden, wohl aber können sich die Prozesse dahinter industrialisieren. Vielleicht liegt genau darin einer der entscheidenden Hebel für den Wohnungsbau der Zukunft: individuell planen, industriell produzieren und vor Ort nur noch zusammensetzen.

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