René Wolf im Interview: RIB Software auf globalem Wachstumskurs

René Wolf, CEO von RIB Software

René Wolf, CEO von RIB Software

CEO René Wolf über kulturelle Transformation, internationale Expansion und den KI-Goldrausch in der Bauindustrie.

Der Wandel zum Global Player

René Wolf übernahm vor fünf Jahren das Ruder bei RIB Software und stieß auf eine etablierte Unternehmenskultur. Der Übergang vom akquisitionsgetriebenen Mittelständler zu einem global agierenden Player erforderte enorm viel Struktur. Es galt, über zwanzig zugekaufte Einzelteile zu vereinen und eine gemeinsame Identität zu schaffen, ohne dabei die lokale Energie zu ersticken. Dabei half ihm seine langjährige Erfahrung aus dem Siemens-Konzern, um notwendige Standards fest im Unternehmen zu etablieren.  

René Wolf zu Gast im DIGITALWERK-Podcast

Internationale Expansion und ihre Grenzen

Die ursprüngliche Unternehmensstrategie sah vor, die in Deutschland entwickelte Softwareplattform weltweit auszurollen. Allerdings musste das Unternehmen erkennen, dass deutsche Software nicht in jedem Land automatisch auf volle Akzeptanz stößt. Besonders in den USA oder Australien unterscheiden sich die Arbeitsweisen und Erwartungen der Nutzer stark von denen im heimischen Markt. Deshalb setzt RIB heute konsequent auf Synergien in der Technologie, lässt aber gleichzeitig viel Raum für lokale Anpassungen.  

„Ich staune jetzt seit 5 Jahren, was sich so alles in der Baubranche nicht tut.“
Michél-Philipp Maruhn führt das Gespräch mit René von RIB Software

Indien als Wachstumsmarkt und Talentpool

Neben etablierten Märkten blickt das Unternehmen auch auf bevölkerungsreiche Wachstumsregionen wie Indien. Dort ist die Investitionsbereitschaft für komplexe Softwaresysteme aufgrund der extrem günstigen Arbeitskräfte noch eher verhalten. Um in diesem Umfeld dennoch Fuß zu fassen, geht RIB Software dort mit sehr einfachen und kostengünstigen Einzeltools in den Markt. Indien dient zudem als entscheidender Entwicklungsstandort, um dem enormen Mangel an Softwareentwicklern in Europa und den USA aktiv zu begegnen.  

Der KI-Goldrausch in der Baubranche

Künstliche Intelligenz ist für die Zukunft der Firma ein gewaltiger Treiber für fundamentale Veränderungen. Die klare Vision ist es, die eigene Softwareentwicklung innerhalb der nächsten drei Jahre nahezu vollständig durch KI zu unterstützen.

Michél und René hört ihr gemeinsam in Episode 244 des DIGITALWERK-Podcasts

Erste interne Versuche zeigten bereits, dass frühere Arbeitsabläufe von zehn Wochen nun in wenigen Tagen erledigt werden können. Diese extreme Beschleunigung zwingt die Programmierer allerdings dazu, traditionelle Arbeitsweisen komplett zu verlernen und völlig neu zu denken.  

Resilienz für zukünftige Herausforderungen

Trotz dieser Begeisterung muss das Management die wachsenden Kosten für den KI-Token-Verbrauch künftig ganz genau kontrollieren. Darüber hinaus erfordern neue europäische Vorgaben zur Cybersicherheit enorme Investitionen im Hintergrund. René Wolf sieht RIB Software durch die Zugehörigkeit zum großen Schneider-Konzern für diese Belastungen jedoch hervorragend gerüstet. Die Transformation des Unternehmens ist zwar noch nicht abgeschlossen, doch man steht heute deutlich professioneller da als in der Vergangenheit.

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