Rico Kallies - CEO bei Bonava Deutschland
September 8, 2026
In dieser Episode des Digitalwerk Podcasts begrüßt Michél-Philipp Maruhn einen Gast, der die Baubranche von der Pike auf kennt: Rico Kallies, Geschäftsführer von Bonava Deutschland. Von seinen Anfängen als Zimmermannslehrling in den 90er Jahren bis hin zur Leitung eines börsennotierten Milliardenkonzerns teilt Kallies seine persönlichen Erfahrungen und beruflichen Meilensteine. Das Gespräch beleuchtet eindrucksvoll, wie Bonava eine der schwersten Krisen der jüngeren Baugeschichte durchlebt hat. Dabei wird deutlich, dass Erfolg in volatilen Zeiten vor allem eine Frage der schnellen Anpassungsfähigkeit und einer klaren Restrukturierung ist.
Kallies gewährt tiefe Einblicke in die Marktdynamiken, die durch die Zinswende und den Ukraine-Krieg ausgelöst wurden, und erklärt, warum das Unternehmen trotz schwieriger Entscheidungen 500 Arbeitsplätze sichern konnte. Ein zentrales Thema ist die Innovationskraft der Branche – oder das Fehlen derselben –, da in Deutschland noch immer vorwiegend „Stein auf Stein“ gebaut wird. Der CEO erläutert, warum diese traditionelle Bauweise oft immer noch die wirtschaftlichste Lösung für den Siedlungsbau darstellt. Gleichzeitig fordert er einen verstärkten Abbau von Bürokratie, um durch digitale Prozesse und den sogenannten „Bauturbo“ schneller Wohnraum schaffen zu können.
„Es gibt nur einen richtigen Weg – deinen eigenen Weg. Wenn man Interesse daran hat, dann hat man auch Freude daran. Und dann gibt man auch sein Bestes und hat auch die Disziplin durchzuhalten.“
Ein weiterer Fokus liegt auf der sozialen Komponente des Wohnens und der Frage, wie sich junge Familien heute noch Eigenheime leisten können. Kallies beobachtet hierbei einen Trend, bei dem das Eigenkapital zunehmend durch den Verkauf größerer Immobilien der Elterngeneration generiert wird. Er betont, dass Wohnraum ein hohes soziales Gut bleibt, dessen Bedarf trotz steigender Kosten und Zinsen ungebrochen hoch ist. Besonders in Ballungsräumen wie Berlin bleibt der Druck auf den Markt enorm, was innovative Lösungen in der Grundstücksentwicklung erfordert.
Der Blick über die Landesgrenzen nach Skandinavien zeigt spannende kulturelle Unterschiede in der Arbeitsweise auf. Während die schwedischen Kollegen bei Bonava oft als innovativer und experimentierfreudiger gelten, bringen die deutschen Teams die notwendige Disziplin und Detailgenauigkeit ein, um Projekte erfolgreich abzuschließen. Kallies bewundert vor allem den hohen Digitalisierungsgrad der nordischen Behörden, von dem Deutschland noch weit entfernt ist. Hier sieht er großes Potenzial, um die Effizienz im Bauwesen durch weniger analoge Bürokratie massiv zu steigern.
Zum Abschluss richtet Rico Kallies eine motivierende Botschaft an die nächste Generation und bricht eine Lanze für das Handwerk. Er ist überzeugt, dass handwerkliche Berufe in Zeiten von Künstlicher Intelligenz an Wert gewinnen werden, da eine KI weder Dächer decken noch Beton gießen kann. Wer heute eine Ausbildung im Handwerk wählt, sichert sich laut Kallies eine krisenfeste und lukrative Zukunft. Sein eigener Lebensweg vom Dachstuhl in die Chefetage dient dabei als lebendiges Beispiel für die Karrieremöglichkeiten in der Bauwelt.
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