City of Wood auf dem B&O-Parkgelände – vom Vorreiterprojekt zum visionären Modellquartier

May 8, 2024
Autor/in:
Madita Harnisch

Erfahrt alles über die "City of Wood" auf dem B&O-Parkgelände in Bad Aibling, ein wegweisendes Modellquartier, das den Holzbau neu definiert. Von den innovativen Entwürfen renommierter Architekt:innen bis zur Realisierung durch die B&O Gruppe bietet dieses Projekt eine nachhaltige und ästhetisch ansprechende Lösung für den urbanen Wohnungsbau.

Bildquelle:
B&O Gruppe

Ein Areal auf dem Parkgelände der B&O Gruppe in Bad Aibling wandelte sich zu einem Quartier, das eine neue Perspektive auf den urbanen Raum bietet. Hier ist die Geschichte eines bemerkenswerten Projekts, das aus einem Bieterverfahren hervorging und bis heute die Zukunft des Holzbaus prägt.

Innovation und Nachhaltigkeit

Das ambitionierte Projekt "City of Wood" begann in Bad Aibling mit "Holz 4", dem ersten bedeutenden Neubauprojekt der B&O Gruppe auf dem ehemaligen Kasernengelände. Dieses vierstöckige Wohngebäude, das 2010 fertiggestellt wurde, markierte nicht nur einen ästhetischen, sondern auch einen ökologischen Wendepunkt in der städtischen Architektur. Mit seiner markanten Fassade aus Lärchenholz, die heute in edlem Grau erstrahlt, und der Verwendung von Holz als vorherrschendem Baumaterial setzte "Holz 4" neue Standards im Bauwesen und demonstrierte eindrucksvoll die Umsetzbarkeit des mehrgeschossigen Holzbaus in urbanen Umgebungen.

                                                        Holz 4 – B&O Parkgelände Bad Aibling

Start des Bieterverfahrens

Die erfolgreiche Fertigstellung von "Holz 4" und die positive Resonanz auf das folgende "Holz 8" inspirierten die B&O Gruppe, neue Wege im Holzbau zu erkunden. Dies führte zur Einleitung eines Bieterverfahrens, das als Treiber für innovative und nachhaltige Wohnkonzepte dienen sollte. Ziel war es, die Grenzen des Möglichen im Holzbau auszuloten und kreative Ideen von Architekt:innen und Bauunternehmen zu fördern.

Unter der gemeinsamen Leitung des renommierten Architekten Eberhard von Angerer und des Gründungsgesellschafters der B&O, Dr. Ernst Böhm, begann 2011 ein Wettbewerb, der die Kreativität im Holzbau in den Vordergrund stellte. „Wir wollten einen Raum schaffen, in dem die Innovationskraft des Holzbaus in ihrer ganzen Breite sichtbar wird“, so von Angerer zur Intention des Wettbewerbs.

Ein Wettstreit der kreativen Ideen

Die B&O Gruppe lud führende Architekturbüros und Holzbauunternehmen ein, ihre Visionen und Entwürfe für das Areal vorzulegen. Die Teilnehmer:innen wurden herausgefordert, innovative Konzepte für Doppelhäuser, Reihenhäuser und Geschosswohnungen zu entwickeln und städtebauliche Entwicklungsvorschläge für weitere Bauabschnitte zu präsentieren. „Das Bieterverfahren bot eine spannende Herausforderung, unsere Visionen in einem wettbewerbsintensiven Umfeld zu präsentieren. Die positive Resonanz und die erfolgreiche Umsetzung der Projekte waren äußerst befriedigend“, sagt Josef Huber über seine Teilnahme am Bieterverfahren.

Die Innovator:innen hinter "City of Wood"

Das Bieterverfahren für das Projekt "City of Wood" in Bad Aibling führte viele Expert:innen aus den Bereichen Architektur und Holzbau zusammen. Dazu gehören:

Matteo Thun

Ein renommierter italienischer Architekt und Designer, der für seine nachhaltigen und ökologischen Ansätze in der Architektur bekannt ist. Er wurde für seine Arbeit an der „Heizikone“, einer Hackschnitzelanlage mit Lärchenholzschindeln-Verkleidung, gelobt.

Hermann Kaufmann

Ein Vorreiter im Bereich des ökologischen Holzbaus und Professor für Architektur. Er hat zahlreiche Auszeichnungen für seine nachhaltigen Holzkonstruktionen bekommen.

Josef Huber

Ein erfahrener Holzbauingenieur und Geschäftsführer von Huber und Sohn, der sein Fachwissen schon in den Projekten "Holz 4" und "Holz 8" einbringen konnte.

Alfons Petzenhammer, Claudia Petzenhammer und Andreas Hanke

Innovative Architekt:innen, die sich durch ihre Arbeit im Bereich der nachhaltigen Stadtplanung und der ökologischen Gestaltung von Wohnräumen auszeichnen.

Bewertung der Entwürfe

Die eingereichten Entwürfe mussten eine Reihe von umweltfreundlichen Kriterien erfüllen, unter anderem die Optimierung des Energieverbrauchs und die Minimierung des ökologischen Fußabdrucks. Die Verwendung von nachhaltig gewonnenem Holz und anderen lokal bezogenen Materialien spielte eine entscheidende Rolle bei der Bewertung der Projekte. Diese Maßnahmen gewährleisteten, dass jedes Bauprojekt nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch ökologisch verantwortungsvoll war.

Neben den technischen und ökologischen Aspekten wurde im Bieterverfahren ein besonderes Augenmerk auf soziale Nachhaltigkeit gelegt. Die Projekte sollten umweltfreundlich sein und darüber hinaus lebenswerte Räume schaffen, die die Lebensqualität der Bewohner:innen verbessern und zu einer eng verbundenen Gemeinschaft beitragen. Aus diesem Grund berücksichtigte die Planung öffentliche Bereiche, Grünflächen und Gemeinschaftseinrichtungen, die darauf abzielen, Interaktion und sozialen Zusammenhalt zu fördern.

Die Bewertung der Entwürfe im Wettbewerb wurde von einer Jury durchgeführt, die aus führenden ExpertInnen der Architektur, des Holzbaus und der Nachhaltigkeit bestand. Zu den ausschlaggebenden Kriterien gehörten Innovationsgehalt, ökologische Nachhaltigkeit, Integration in die natürliche Umgebung, wirtschaftliche Machbarkeit und die Ästhetik der Entwürfe. Besonderes Augenmerk wurde auf die energetische Effizienz und die Verwendung regionaler Materialien gelegt, mit dem Ziel, die CO₂-Bilanz zu minimieren.

Die Gewinnerentwürfe prägen das B&O-Parkgelände

Eindrucksvoll zeigen die Siegerentwürfe die Vielseitigkeit und Nachhaltigkeit des Holzbaus sowie sein ökonomisches Potenzial. Die von Alfons Petzenhammer gestalteten Doppelhäuser mit ihrer verschachtelten Struktur und die von Matteo Thun & Hermann Kaufmann entwickelten Reihenhäuser mit ihren auffälligen Fassaden aus geflämmtem Lärchenholz sind herausragende Beispiele für gelungene Architektur, die sich nahtlos in ihre natürliche Umgebung einfügt. Andreas Hankes Entwürfe für mehrgeschossige Wohngebäude bestätigen, dass der Holzbau auch im großen Maßstab überzeugt.

Das Bieterverfahren nahm eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der "City of Wood" ein und diente als Plattform zur Etablierung des Holzbaus als zukunftsfähige Bauweise im städtischen Umfeld sowie zur Förderung langjähriger Partnerschaften mit Holzbauunternehmen und Architekt:innen

.Das erfolgreiche Verfahren, welches mit dem innovativen Projekt "Holz 4" begann, markierte einen Wendepunkt für die B&O Gruppe, um sich als führender Generalunternehmer im Bereich des Holzgeschossbaus zu positionieren.

Das  zukunftsweisende Modellquartier

Seit der Errichtung von "Holz 4" hat sich die "City of Wood" zu einem dynamischen Reallabor mit malerischem Bergblick entwickelt, in dem kontinuierlich neue Ansätze für innovatives Bauen in einfacher und serieller Fertigung erforscht und auch umgesetzt werden. Aber die "City of Wood" ist nicht nur ein Wohnquartier; sie ist ein Symbol für den Wandel im Bauwesen und eine Inspirationsquelle für zukünftige Generationen von Architekt:innen, Bauherr:innen und Stadtplaner:innen. Durch die Verbindung von Innovation, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft verdeutlicht dieses Projekt, wie moderne Urbanität umweltbewusst und zukunftsorientiert gestaltet werden kann.

Details des Bieterverfahrens "City of Wood"

Das Bieterverfahren für das Projekt "City of Wood" in Bad Aibling wurde speziell entwickelt, um innovative und nachhaltige Holzbaukonzepte zu identifizieren und umzusetzen, die sich für den städtischen Wohnungsbau eignen.

Ziele

Das Hauptziel des Bieterverfahrens bestand darin, durch Wettbewerb kreative und nachhaltige Lösungen für den Bau von Wohnanlagen in Holzbauweise zu fördern. Es sollte die Vielseitigkeit des Holzes als Baustoff aufzeigen und dessen Anwendung im städtischen Raum demonstrieren, um damit ebenfalls Impulse für ähnliche Projekte in ganz Deutschland und Europa zu setzen.

Einladungsverfahren

Die B&O Gruppe lud gezielt Architekt:innen und Bauunternehmen ein, die schon Erfahrungen im Holzbau vorzuweisen hatten. Dies gewährleistete, dass die eingereichten Entwürfe nicht nur innovativ, sondern auch technisch umsetzbar waren.

Im Bieterverfahren gab es mehrere Phasen:

  1. Die Einreichung der Entwürfe: Die Teilnehmer:innen reichten ihre Entwürfe ein, die architektonische Pläne sowie detaillierte Vorschläge zur Umsetzung und Nutzung von Holzkonstruktionen beinhalteten.
  1. Die Bewertung: Ein Expertengremium aus Architekt:innen, Stadtplaner:innen und Bauingenieur:innen bewertete die eingereichten Entwürfe. Dabei wurden Kriterien wie Innovation, Nachhaltigkeit, ästhetische Qualität, Integration in die Umgebung, Wirtschaftlichkeit und die Übertragbarkeit der Konzepte auf andere Projekte berücksichtigt.
  1. Die Auswahl und Präsentation: Die besten Entwürfe wurden ausgewählt, und die Ersteller:innen wurden eingeladen, ihre Konzepte vor einem Fachpublikum zu präsentieren. Dadurch erhielten die Teilnehmer:innen die Gelegenheit, ihre Ideen zu verteidigen und weitere Details zu erläutern.
  1. Die Verhandlung und Auftragsvergabe: Nach der Präsentations- und Diskussionsphase führte man Verhandlungen mit den ausgewählten Bietergemeinschaften, danach erfolgte die Auftragsvergabe zur Realisierung der Projekte.

Die Siegerentwürfe wurden umgesetzt

Die Sieger:innen des Bieterverfahrens erhielten den Auftrag, ihre Entwürfe umzusetzen. Dies ermöglichte es ihnen, innovative Bauweisen und Materialien praktisch zu erproben und weiterzuentwickeln. Die erfolgreiche Realisierung dieser Projekte befeuerte die Weiterentwicklung des Holzbaus im urbanen Raum.

Etablierung langfristiger Partnerschaften

Das Bieterverfahren verfolgte außerdem das wichtige Ziel zur Etablierung langfristiger Partnerschaften zwischen der B&O Gruppe, Architekt:innen und Bauunternehmen. Diese Partnerschaften machten einen kontinuierlichen Austausch von Know-how und Erfahrungen möglich, was die Grundlage für zukünftige Projekte darstellte.

Das Bieterverfahren spielte somit eine maßgebliche Rolle bei der Etablierung der "City of Wood" als innovatives Modellprojekt für den Holzgeschossbau und bei der Positionierung der B&O Gruppe als Vorreiter in diesem Bereich.

                                                                     Die umgesetzten Siegerentwürfe

                                                         Doppelhaus – Petzenhammer & Petzenhammer

Die Doppelhaus-Konstruktion

Das im Jahr 2013 fertiggestellte Doppelhaus wurde vom Architekten Alfons Petzenhammer entworfen und ist ein Beispiel für moderne Holz-Riegel-Bauweise. Die gestaffelten Raumvolumen umfassen ein bis drei Stockwerke, sind mit horizontaler Lärchenholzschalung verkleidet und erinnern bezüglich ihrer Proportionierung an eine zeitgenössische Villa.

                                                         Reihenhaus – Matteo Thun & Partners
                                                          + Architekten Hermann Kaufmann

Das Reihenhaus-Ensemble

Das Reihenhaus-Ensemble wurde zwischen 2013 und 2014 nach den Entwürfen des angesehenen italienischen Architekten Matteo Thun errichtet. Die Reihenhäuser zeichnen sich durch ihre Fassaden aus geflämmtem Lärchenholz aus, welches kunstvoll mit Drahtbürsten bearbeitet wurde, um eine unverwechselbare Textur zu schaffen.

                                                        Sieger Geschosswohnungsbau – Andreas Hanke

Die mehrgeschossigen Wohngebäude

Die sechs dreistöckigen Wohngebäude, gestaltet von Architekt Andreas Hanke und im Jahr 2014 von Huber & Sohn errichtet, beeindrucken gleichermaßen. Sie bestehen aus massiven Holzelementen. Die unteren zwei Etagen sind mit einer horizontalen, grau lasierten Lärchenholzschalung versehen, während das oberste Stockwerk in strahlendem Weiß verputzt wurde. Diese Gebäude entsprechen nahezu dem Passivhaus-Standard gemäß dem KfW Effizienzhaus 55.

Fazit

Die "City of Wood" ist nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern auch ein Symbol für den Wandel im Bauwesen. Von der Einreichung der Entwürfe bis zur Umsetzung der Siegerprojekte haben das Bieterverfahren und die langfristigen Partnerschaften zwischen den Akteur:innen den Holzbau als zukunftsfähige Bauweise etabliert. Die Realisierung der Doppelhäuser, Reihenhäuser und mehrgeschossigen Wohnbauten zeigt eindrucksvoll, wie moderne Urbanität mit Nachhaltigkeit und Innovation vereint werden kann. Die "City of Wood" dient nicht nur den Bewohner:innen als lebenswerter Raum, sondern inspiriert auch zukünftige Generationen von Architekt:innen und Stadtplaner:innen.

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