Die Deutsche Bundesbank sorgt für eine handfeste Überraschung auf dem Frankfurter Immobilienmarkt. Nach über zehn Jahren Planung bricht der Vorstand das milliardenschwere „Projekt Campus“ am alten Standort Wilhelm-Epstein-Straße ab. Statt in den sanierten „Betonriegel“ im Norden der Stadt zurückzukehren, plant die Notenbank nun den Kauf einer komplett neuen Immobilie.
Wirtschaftlichkeit schlägt Tradition
Eine umfassende Untersuchung gab den Ausschlag für diese radikale Kehrtwende. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass ein Neukauf erheblich günstiger ist als die Modernisierung der alten Liegenschaft in der Wilhelm-Epstein-Straße. Selbst in einer abgespeckten Version hätten die Investitionskosten am alten Standort rund 1,6 Milliarden Euro verschlungen.
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass bereits 168 Millionen Euro in den alten Standort geflossen sind - unter anderem an Baufirmen, Architekten, und Planer.
Denkmalschutz und Homeoffice als Kostentreiber
Zwei Faktoren machten das alte Hauptgebäude zur finanziellen Last: der Denkmalschutz und die neue Arbeitswelt. Seit 2022 steht der brutalistische Bau unter Schutz, was die Sanierung massiv verteuerte. Zudem benötigt die Bank durch ausgeweitetes Homeoffice nur noch 3.300 statt der ursprünglich geplanten 5.000 Büroarbeitsplätze.
Die Suche nach dem perfekten Standort
Für die neue Zentrale läuft bereits ein Vergabeverfahren, wobei die Kriterien klar definiert sind. Präsident Joachim Nagel setzt auf eine zentrale Lage mit exzellenter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Innerhalb der nächsten 18 Monate soll ein passendes Objekt gefunden werden, bevor der Mietvertrag des aktuellen Übergangsquartiers ausläuft.
Was wird aus den Goldreserven der Bundesbank?
Nach Handelsblatt-Informationen lagern auf dem Gelände der Bundesbank auch 1700 Tonnen Gold, die aktuell einen Wert von über 160 Milliarden Euro haben. Nach aktuellen Zahlen ist das etwas mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Goldreserven. Die sollen auch nach wie vor auf dem Gelände verbleiben, und die Bundesbank will den entsprechenden Gebäudeteil behalten.

Was passiert mit dem alten „Betonriegel“?
Während die Bundesbank auszieht, zeigt die Stadt Frankfurt bereits großes Interesse an dem geschichtsträchtigen Areal. Die Stadt möchte Teile der Liegenschaft per Direktveräußerung für den Gemeinbedarf erwerben. Damit könnte das einstige „Symbol der Stabilitätskultur“ bald einer völlig neuen, öffentlichen Nutzung zugeführt werden.



